Friedrich Schulz, An der Kirche 12, 37574 Einbeck 
www.friedhelm-schulz.de 
Einbeck, den 19. März 1996 
 An Birger Jesch
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Lieber Birger, 
ich hoffe, Dir geht es gut, und daß Du in dem langen Winter einen schönen wärmenden Ofen hattest! 
Schönen Dank für Deine schnelle Antwort damals, - und ich habe auch ganz brav die lange "Gazetta" aus Italien sofort ausgefüllt und nach Polen weitergeschickt. Und bekam von dort inzwischen auch schon die Zusicherung, daß es auch von Polen aus schon wieder unterwegs ist. 
Entschuldige aber bitte die lange Verzögerung dieser Antwort: ich mußte über manches neu nachdenken - das kann für einen einzigen Satz manchmal eine Woche kosten, - und dann kam vieles anderes immer zwischendurch. 
Es ging und geht bei mir aber in der Tat ziemlich alles drunter und drüber. Neben ganz dringenden und zeitaufwendigen Schreibarbeiten zu meinen neuen Mail-Art-News Nr. 23 bin ich dabei zu tapezieren, Wasser- und Elektroleitungen zu legen, zu gipsen und zu streichen, Fliesen und Teppiche zu legen, Möbel zu machen etc. etc. , - und das alles zugleich, weswegen es alles nervend langsam geht. Aber es zeichnet sich ab, daß ich in ein paar Monaten dann auch selbst Gäste empfangen kann. 
 

Daneben machte ich im späten Winter einerseits die letzten Früchte meiner Herbsternte des letzten Jahres aus dem Garten in Gläser ein und mußte bereits den Garten schon für den kommenden Sommer bearbeiten, wie Bäume beschneiden, düngen, umgraben u.s.w. wo alles schon grünt und blüht. Im Haus aber steht alles voll, Flur und Zimmer voll Gläser, Pinsel, Leitern, Farben, - und Berge von Büchern, Papieren, Kopien und Briefe, Du kennst das sicher.  - Der Frost verschaffte mir - neben der Arbeit an zugefrorenen Rohren - aber auch Zeit für diesen Brief. 

Und versuche bitte diesen Brief als Beitrag zu meinem Thema "DIE POSTMODERNE" oder "MAIL-ART" für meine Mail-Art-News 23 zu verstehen! 
D.h. ich wollte diesen Brief möglichst mit Deiner ersten oder 2. Antwort in diese „MA 23" aufnehmen, die sich durch diesen Brief um Monate verzögert. Wenn ich dabei dann im Folgenden manchmal doch etwas unpersönlich werde, liegt dieses daran, daß ich allgemein und allgemeinverständlich zu sein versuche. Alles gehört zu meinem Thema "Haut" oder "Kunsttheorie", und klingt dann vielleicht etwas aufsatzhaft, offiziell- oder aufgesetzt. Aber versuche Du, wenn Du willst - ganz in Deiner Sprache - aber trotzdem quasi druckreif für meine kleine MA News zu antworten! 

Aber es macht natürlich nichts, wenn Du keine Lust hast zu antworten oder weiterzulesen oder Dich überhaupt mit Kunsttheorie zu befassen. Da es nur über Kunst und Mail-Art geht, und Mail-Art weder verändern soll noch könnte, sind solche Gedanken in einer Weise natürlich überflüssig. 

(Ich würde Dich trotzdem gerne bald besuchen, - wenn mich auch bisherzuerst Schnee und Eis, und dann die Arbeit hier von der Reise mit dem Auto abschreckten. Eigentlich brauche ich Deine Hilfe für diesen Brief; aber das wäre komisch. 
 
Andererseits solltest du Dich nicht abschrecken lassen, etwas in der Kunsttheorie der Gegenwart mitzusprechen! Es wird über Kunst und auch über Mail-Art inzwischen viel geschrieben und gedacht. 
Meist außerhalb der Mail-Art. 
Da sind Kunstwissenschaftler, Kommunikationswissenschaftler, Soziologen, Psychologen und Sprachwissenschaftler, wie Du aus der Literaturliste am Ende der MA-News 23 entnehmen kannst, die ich Dir als Teil schon schickte. Aber auch innerhalb der Mail-Art wird ziemlich diskutiert, - wenn auch mehr in den USA. Im Internet kannst Du stundenlang Texte und Dialoge zur Kunst und auch über Mail-Art lesen. 
Daß Mail-Art zugleich Thema der Mail-Art ist, ist natürlich ein Grenzfall, genauso wie die Sprache nur im Ausnahmefall Thema eines Gesprächs ist - obwohl andererseits Kunst, insbesondere die moderne Kunst immer auch zugleich Thema der Kunst ist. 
Ansatzweise begründe ich dieses in meinem „Brief an Prauss", den Du mit der vollständigen "Mail-Art-News 23" bekommst. 

Die anstehende Frage, was Mail-Art mit DADA, und was DADA mit Kunst, und was Kunst mit Philosophie, mit Wissenschaft, Soziologie, Religion und Politik zu tun hat, ist immer auch zugleich die Frage, "was Kunst ist", und ist damit ein praktisch unendliches Thema. 

Das Verdienst eines Aufsatzes wie "Anders Eigen" von Gregor Schwering liegt denn auch zuerst darin, den Diskurs, d.h. einen Kontextumrissen und abgesteckt zu haben, in dem das Thema heute diskutiert wird. Die Diskussion darüber wird in zehn Jahren ganz sicher mit anderen Schwerpunkten und Begriffen wie z.B. dem heutige Schlagwort "Identität" geführt werden, denn ohne Zweifel erweist sich bereits jetzt die Identitätsfixierung als Sackgasse, es sei denn, daß man am Ende der Sackgasse ganz bewußt, statt dessen, was man damit erkennen und klären will, immer nur denjenigen antrifft und auch meint, der etwas erkennen und erklären will, nämlich sich selbst oder das Subjekt. D.h. solange man den Menschen als den anderen, als ein vergleichbares Objekt neben anderen Objekten sieht - und nicht im Verhältnis zur sich selbst - , wird genau das, worauf man mit der Identitätsfrage hinaus will, verstellt. 
Dieses liegt im Wesen unseres Erkennens begründet, wie es Prauss in seiner Arbeit "Die Welt und wir" ableitet, (die man eigentlich gelesen haben müßte, um die ganze Verlorenheit der Identitätsdebatte ermessen zu können), aus dem ich anschließend an diesen Brief ein grausam zutreffendes Zitat anhänge. Denn mit der Wahrheitsvorstellung einer möglichen "Objektivierung" des Subjekts macht man auch ganz praktisch den Menschen zum toten Material, wobei man den Menschen und dabei auch sich selbst nicht nur verfehlt sondern in der Tat der Wahrheitsvorstellung opfert. 

Mit dieser Intention will ich im Folgenden denn auch alles was man heute als Identitätsproblem, Identitätsverlust oder Identitätssuche oder Identitätsfindung diskutiert, praktisch als Überthema mehr in dem Verhältnis von "Richtig", "Wahrheit", "Loyalität", "Parteinahme", "Gültigkeit" und "Allgemeingültigkeit" bzw. "Allgemeingültigkeitsanspruch" sowohl in der Kunst wie auch allgemein aufzeigen, und ich möchte quasi offiziell damit zugleich mögliche Mißverständnisse aufzeigen, die sich aus dem sehr schönen Aufsatz von Schwering (wie ich finde) ergeben können, - und zwar sowohl falsch und platt gegen ihn wie auch in falscher Weise für ihn -. 

Erkenntnis, Mitteilung und Proklamation. 

Es ist deswegen auch sehr, sehr gut, daß Du eine bestimmte "Sprache" zum Thema machst, - "mit der Du nichts anfangen kannst oder willst". Das ist ein echtes Grenzproblem wie natürlich auch sprachliche Kunsttheorie innerhalb der Kunst. - 

Natürlich schreibt man anders als man spricht, - einerseits, und für Veröffentlichungen, also für ein anonymes Gegenüber formuliert man nocheinmal anders, als in einem privaten Brief oder Dialog. Sprechen, Veröffentlichen oder Schreiben sind also zwei in Stil und Anspruch verschiedene Arten oder Formen, sich auszudrücken. 
Zur Form der Veröffentlichungen rechne ich automatisch auch die Sprache von öffentlichen Reden, Proklamationen, Ankündigungen u.s.w., also alles, was mit dem bestimmten offiziösen Pathos vorgetragen wird. Hinzu kommt noch eine 3. Art: Es sind Sprüche und Formeln, wie "gut und gern", "schlecht und recht", "last not least", auf die ich später noch besonders komme. (Fußnote:  Und natürlich sind Aussagen immer nur ein winziger und entsprechend ausgesuchter und dazu entsprechend präparierter Teil dessen, was in unserem Kopf in jedem Augenblick tatsächlich an Wahrnehmung, Erkenntnis und Erwägungen vor sich geht. Unser Denken und Erkennen unterscheidet sich also nocheinmal von dem, was wir sagen; und man könnte von einer weiteren Überform reden, die das Gespräch überlagert, von dem in einem Gespräch aber - mit oder  ohneunseren Willen - vieles als Konation durch Gestik und Tonfall erkennbar ist, ohne daß es eine besondere sprachliche Form annehmen muß.) 
Die unterschiedlichen Formulierungsformen erkennen und unterscheiden wir wie selbstverständlich, obwohl dabei eigentlich die gleichen Wörter und dieselbe Grammatik benutzt wird. 
Was dabei im Menschen passiert, wenn er den Stil ändert, wenn z. B. ein Polizist von mehr privater Rede zu offiziellen oder offiziösen Sprüchen übergeht, steht als eigentliches Thema hinter diesem ganzen Brief; versuche Dir also beim Lesen diesen Unterschied immer vor Augen zu halten. 
Auch gemalte Bilder können in dieser Weise sowohl als Formelement oder Charakteristik sowohl offiziöses Pathos sein wie auch die Form privater Äußerung haben; Musik, Dichtung, Theater u.s.w. ebenfalls. 
Aber unter allem, was man zur Kunst zählt, gehört damit die persönlich zugesandte Mail-Art im Prinzip zu Letzterem, zur privaten Mitteilung, und Mail-Art hat damit ihre besondere, spezifische Qualität. 
Keinesfalls dürfte aber solche Unterscheidung, wie schon gesagt, bedeuten, daß das eine, etwa das Private, nun apriori gut oder besser und in jedem Fall dem anderen vorzuziehen und das andere, das proklamativ Offiziöse dann apriori schlecht oder böse und etwas Abzulehnendes wäre. So machen ja gerade das proklamative Pathos der "Guernica" von Picasso oder etwa das des "Heilandes und Weltenrichters" in der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo die Glaubwürdigkeit und Großartigkeit dieser Meisterwerke aus, und sind, obwohl natürlich "künstlich" und "gemacht", keine mißlungenen, unglaubwürdigen "Machwerke", wie wir schlechten, pathetischen Kitsch, wie viele Arbeiten im Nationalsozialismus, als aufgesetzt, künstlich und unecht, und deswegen als schlechte von guter Kunst unterscheiden. Der Qualitätsunterschied befindet sich im Formalen und liegt dabei ja nicht unsichtbar nur in der Biographie des Bildes, etwa in der ethischen Qualität des Künstlers, vielleicht weil er ein Opportunist oder Nazi war, wovon wir auf einem anderen Wege erfahren müßten, sondern im formal Sichtbaren des Bildes. 
Es entsteht nun dabei die grundsätzliche Frage, ob diese jeweilige Form, in gleicher Weise in der bildlichen wie in der sprachlichen Darstellung, eine jeweilige Wahrheit nur unterstreichen soll, oder ob die Form des Gesagten als Beweis für die Wahrheit des Gesagten gelten soll, gilt oder gar als Beschwörung von Wahrheit, und wieweit die Form nur den illokutionären Zweck einer Aussage verrät oder erkennen lassen soll, wie bei einer Frage oder einem Befehl. Und so unwahrscheinlich es klingt, gibt es ja doch ein Pathos der Rede, durch das Wahrheit geradezu erst hergestellt wird, wie bei Versprechen, Gelöbnissen oder Drohungen. 
Prauss gegenwärtig weiß ich natürlich von der grundsätzlichen Problematik solcher Frage schon im Vorherein; aber ich würde DADA gar nicht verstehen, der sich genau gegen solche Verbindung von Form und Wahrheit auflehnte, wenn ich dem ganz normalen Gedankengang eines Holzweges nicht nachginge 
Die Entstehung solcher Formen, ob privat oder offiziell, sind ja doch immer nur zum Teil spontane Kreationen des Sprechers, Schreibers oder den Künstlers, sondern sie haben andererseits natürlich ihre Geschichte. 
Von der Tradition her waren öffentliche Proklamationen überhaupt Sache der Privilegierten, und wurden praktisch durch ihre Verlautbarung Gesetz und Gültigkeit und zeigten- ob nun gewollt oder nicht -, an ihrem Stil aber erkennbar einen entsprechenden Gültigkeitsanspruch des Autors wie auch eine solche Gültigkeitserwartung durch den Hörer oder Leser oder Betrachter, - unabhängig vom höheren Bildungsstand der Privilegierten , der sich natürlich ebenfalls sprachlich kenntlich machte. 
Und es stellte sich damit seit je auch die Frage, ob die Wahrheit eine bestimmte Form hat, wie dann später die mathematische oder physikalische oder auch generell die wissenschaftliche Form oder Formel in ähnlicher Weise ja noch immer irgendwie als eine Wahrheitsform gemeint oder verstanden wird. 
Während die offizielle Form einer Aussage an alle dann auch für alle verständlich sein muß, und deswegen (scheinbar) keinen Aspekt der Mitteilung unausgesprochen voraussetzen kann, was bei einer privaten Rede selbstverständlich wäre und was durch Situation, Kontext, Gestik und Andeutungen die Rede vereinfacht und verkürzt, während man andererseits Konationen und Konotationen, - also seine persönlichen Intentionen, Ansichten, Gefühle und weitere Bedeutungen und kryptischen Spekulationen der Aussage noch aufladen kann, erhoffte man sich von einer wissenschaftlichen Sprache nicht nur Wahrheit, sondern pure Wahrheit ohne ungewollte und nicht ausdrücklich formulierte Konotationen und Nebenbedeutungen. 
Die Aufklärung und das neue Bewußtsein von Wissenschaft erhielt dadurch natürlich und hat bis heute - gerade durch den Versuch der Abgrenzung noch verstärkt - die Nebenbedeutung einmal von Abgrenzung vom Normalsprachigen und zum anderen damit auch die Reflexion auf das, wogegen man sich abgrenzte; wo immer man aber über das Normale und auch über Kunst und Kultur schreibt, ist es unvermeidlich, wie im im Folgenden die Moderne, die Mail-Art und Postmoderne auch von den vielen Schichten und Geschichten unserer Herkunft aus zu verstehen. 
---------------------------------------------ab hier Ausdruck an Birger --------------------------------- 
Das ergibt eine Nebengliederung: 
· zuerst christlicher Glaube vom Mittelalter bis heute, 
· die politische Entwicklung zu Nationalstaaten, 
· die Weltkriege, 
· das globale Ereignis des Sozialismus mit der Spaltung der Welt in 2 ideologische Blöcke, 
· und natürlich nicht zuletzt auch den "modernen" Fundamentalismus unserer Zeit. 
- wobei Religion und Geschichte aus dieser Sicht eine manchmal sicher sonderbare Bedeutung bekommt. 
So anmaßend es gegenüber den exakten Wissenschaften auf den ersten Blick auch klingen mag, muß man doch fragen, welche Wahrheit und welche Form von Wahrheit man von den Wissenschaften erwartet, die durch die Ausklammerung - eigentlich des Normalen - eben nur einen Teil der Wirklichkeit widergeben, und welche Bedeutung dann die Formen der Kunst darstellen, die über die Möglichkeiten z.B. der Sprache und selbst der Wissenschaften hinausgehen und deswegen als Erkenntnisse von den Wissenschaften gar nicht erkannt und auch anders als durch die Kunst nicht dargestellt werden können, wie z.B. die Melodie in der Musik, oder ganz einfach die Situation, das Lächeln oder den besonderen Charakterzug eines Menschen auf einem Bild. 
Wie gesagt ist dabei das Wort "Wahrheit" praktisch ein großer Topf, in dem sich recht ungenau und vermischt Wahrheit als Ehrlichkeit, Verbindlichkeit, Gültigkeitsforderung und Gültigkeitserwartung, Richtigkeit u.s.w. von Lüge, Täuschung, Irrtum, Falsch oder Schlecht oder Ungültig u.s.w. unterscheidet, deren Problematik und Widersprüchlichkeit immer dann zutage tritt, wo mit Wahrheit auch Allein- oder Allgemeingültigkeit beansprucht bzw. bestritten wird. 

Sich z.B. von der irrigen empiristischen Vorstellung zu lösen, daß Wahrheit als Übereinstimmung mit dem Objekt gelte, war neben der Kantschen Philosophie sicher der entscheidende Schritt und Verdienst der Künste des Abendlandes, sich nämlich von der aristotelischen Abbildvorstellung zu emanzipieren, als habe man "hier". das Objekt und "dort" die Erkenntnis und ihre Darstellung, und als könnte man die Richtigkeit der Erkenntnis und ihre Darstellung anhand des Objekts nun überprüfen oder beweisen; - eine Vorstellung, die bei Schwering allerdings noch durchklingt, wenn er von innerer und äußerer Wahrheit spricht, als sei das Objekt oder die objektive Wirklichkeit und Wahrheit die äußere und die Erkenntnis des Objekts nun die innere Wahrheit. 
"Die Moderne" ist zumindest der erste Schritt, sich von solchem Irrglauben und Unsinn zu emanzipieren. 
Kunst als Erkenntnis dagegen würde bedeuten, daß Kunst eben nicht nur eine dekorative Applikation, sondern eine quasi außersprachliche Sprache und Mitteilungsart ist. 
Man spricht in unserer Zeit immer stolz und kulturbewußt von "Kunst und Wissenschaft", - und so unklar bis heute die Definition von Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit als besonderes Wahrheitspathos auch ist, so ist dagegen die Situation oder eine Definition der Kunst noch weit unklarer, so daß viele Leute überzeugt sind, daß es dabei mehr um Geld, Geschäft und Betrug geht, wie um des "Kaisers neue Kleider", als um eine lohnenswerte oder gar wichtige Tätigkeit des Menschen. Letztlich fragt sich dabei, wo sich Wissenschaft und Kunst berühren und ergänzen und auch beeinflussen. 
Leider ist diese Frage sehr schwierig und nicht ohne weiteres allgemein zu beantworten, weil Wahrheit und Wahrhaftigkeit ja einmal als ethisch-sozialer und sozial-funktionaler Handlungsaspekt gesehen wird und Wahrheit und Wirklichkeit als der Aspekt individueller Erkenntnis zum anderen seit eh mit dem Vorigen verknüpft und vermischt wird, und zwar jeweils sowohl intensional in dem Gedachten wie extensional in der allgemeinen Bedeutung oder in der bezweckten oder erlittenen wie unbezweckten Wirkung des gesagten, und das ist schlimm, denn beides sind Entscheidungs- und Handlungskriterien, die miteinander zu konkurrieren scheinen und sich gegenseitig ausschließen wie aber auch rechtfertigen können. 
Und leider ist dieses in dem üblichen Vergleich als die beiden Koordinaten ethischer Wahrhaftigkeit einmal und objektiver Richtigkeit zum anderen keineswegs verstanden, wenn man den Menschen und das Menschliche in der Verfallenheit an möglicher Lüge und möglichem Irrtum Gott und das Streben nach Gott und Göttlichem gegenüberstellt als dem Inbegriff von Wahrhaftigkeit und Allwissenheit, denn schon im Ansatz ist in der Verkennung des Umstandes, daß wir es in beiden Fällen nicht nur mit Erkenntnis zu tun haben, worauf Prauss hinweist, sondern über diese beiden Kriterien hinaus mit einer praktisch unendlichen Zahl von möglichen guten wie bösen aber meist jedoch, wie im Spiel, wertneutralen Absichten und Beweggründen, also zusätzlichen Koordinaten, die bereits als Wahrheit verstanden zu dem Mißverständnis verleiten können oder würden, worauf Schwering einleitend sehr tiefsinnig hinweist, als seien wir und als sei Gott damit determiniert, wobei ja Wahrhaftigkeit durch Wahrheit als "richtige" Erkenntnis bedingt dann zur offensichtlich falschen Einsicht oder bösen Ansicht oder faulen Ausrede führen könnte. 
Aber obwohl ein Verstehen mit solchen Koordinaten Wahrhaftigkeit und Richtigkeit geradezu aussichtslos und mehr irreführend ist und Prauss sogar radikal fordert, jede Wahrheit, die bezüglich unserer Erkenntnis als objektive Außenwelt immer schon vorgegeben sein müßte, aus unserer Vorstellung ganz auszumerzen, wobei wir mit der Prädikation "das ist" oder "die Tatsache, daß" statt von objektiver Wahrheit nur von subjektiver Existenzaussage ausgehen dürfen, bleibt uns realistischer Umstände halber leider nicht erspart, diesem Holzweg "Wahrhaftigkeit und Richtigkeit" trotzdem zu folgen, wenn wir unser aktuelles Verhalten sowohl in den Wissenschaften, wie gerade auch in der Kunst und erst recht im modernen und postmodernen Fundamantalismus und die »"faschistische" Kritik und Gegenbewegung als den kompromittierten "Fanatismus"« verstehen wollen. Denn was Schwering derart in seinem Aufsatz einleitend so schön wie mit einem Atemzug umrissen als die drohende Verlorenheit des Menschen umschreibt, untertreibt oder übersieht die teuflische Kehrseite dieser Medaille, die er erst später den "bösen anderen" ankreidet: 
"Kommunikation als soziale Interaktion findet nicht mehr zwischen einem Ego und seinem Anderen statt, sondern zwischen Affekten und Kausalverbindungen. die das Sub-jekt - existent nur noch als passiver Schauplatz - lediglich durchqueren: "'Ich' halte mich nur insoweit für ein autonomes, autarkes Subjekt, als ich dieses Netzwerk (bestehend aus partial-objekthaften Identifikationen und Imitationen), das mich deter-miniert [...] übersehe und verkenne." (567). Das Subjekt im Sinne Kants - von dem Lacan sagt, daß er 'wahrer' ist als Spinoza, weil dieser zu sorglos mit dem menschlichen Begehren umgehe - als radikal selbstverantwortlicher Handlungsträger erscheint nur noch als anachronistirches Überbleibsel und Spielverderher. Mit dieser Auffassung kor-reliert die Auszeichnung von Welt als autarkem Mechanismus· · · · · ." 
womit der Ast, auf dem solche Erkenntnis wächst, bereits durchschnitten und der gottlose Mensch ohne seinen Signifikanten mit ihm schon abgestürtzt scheint, - wenn man nämlich die selbstgebaute Maschine, zu der die ganze Maschinerie künstlicher technischer wie organisatorischer, d.h. auch gesellschaftspolitischer Infrastruktur gehört, nun einfach laufen läßt: Denn natürlich wäre es weltfremd, bei dem Besuch eines Schachturniers bestehende "objektive" Regeln zu bestreiten und man würde kein einziges Schachspiel verstehen und verfolgen können, ginge man jeweils bei jedem Zug etwa von beliebigen subjektiven Regeln aus, wobei man von wahrhaftig und redlich-wahren als den damit zugleich konstativen objektiven Regeln spricht, und natürlich auch nicht von göttlicher Gegenwart in oder gar über solchen Regeln. Und man würde die Weltkriege nicht verstehen, ginge man nicht kriminalistisch nachvollziehend ebenfalls aus von der "Tatsache, daß die Deutschen dies" und "die Franzosen das" dachten und taten, ohne welches die Kriege schließlich nicht stattgefunden hätten. In Verkennung dessen aber, was dabei objektiv als "Tatsache, daß" gedacht wird, begeht der Mensch in der Tat bereits gedanklich nicht nur irrige Vermessenheit sondern auch bereits Tötung, wie Prauss zurecht sagt, wenn dabei der Mensch auf einen Teil der Regeln reduziert wird. Was dort auf hoher philosophischer Ebene bei Prauss kaum unmittelbar bereits als Tötung nachzuvollziehen ist, kann man sich gefühlsmäßig zwar vereinfacht, aber doch als auch bereits bestehende allgemeine Vernunft jenseits solchen Irrsinns klarmachen: wie in jedem Western der Betrogene mit dem objektiven Beweis des Betruges durch die Verletzung der objektiven Spielregeln das Recht erhält, seinen Colt zu ziehen und den Betrüger als Rechenfehler zu beseitigen d.h. zu töten. 
Was im Schachspiel mit jenen künstlichen Regeln z.B. als Bauern-, Springer- oder Damenopfer oder im Westernspielfilm als Recht und Stärke logisch, aber eben Spiel ist und als ein Funktionieren des Augenscheinlichen geradezu genossen wird, müssen wir in der Wirklichkeit jedoch als möglichen Irrsinn auf Denkfehler, Irrglaube oder falsches Gefühl als die Ursache modernen Fehlverhaltens untersuchen. 
Die Regeln der Schachfiguren oder der Stereotypen in einem Western wie nicht anders die Figuren in Mythen , Sagen und Märchen als Abbilder des realen Lebens verstanden wären Sorites, verkürzte und vereinfachte Vorstellungen, dennoch sind es, wenn auch künstliche und mitunter der Phantasie entsprungene Bilder und Wesen dennoch Gebilde, die sich logisch mit dem realen Denken und Handeln verbinden lassen und auch so verbunden werden. Bereits wenn ich von "zwei Menschen" spreche, habe ich eine solche Vereinfachung und habe dabei ausgeklammert, ob es Freunde miteinander oder Feinde gegeneinander oder ob es meine Freunde oder Feinde sind, ob sie gleichen Geschlechts, gleicher Sprache und derart u.U. ganz entscheidende Sozialstrukturmerkmale besitzen, von denen sich noch tausend andere aufzählen ließen, trotzdem kann die Vorstellungen, einfach von "zwei Menschen" auszugehen und diese logisch in ein Urteil einzubeziehen auch für eine Handlung richtig und sinnvoll sein, wenn ich z.B. einen elektrischen Aufzug, den Platz in einem Auto oder die Nahrungsmenge für einen Sonntagsausflug berechnen will. Und dieses gilt auch, wenn ich von nur einem Menschen spreche. Und in einer immer mehr vom Menschen auf ein derart jeweilig verkürztes Menschenbild hin künstlich gestalteten Welt, die das Verhalten des Menschen wiederum bestimmt, so wie sich der professionelle Schachspieler z.B. mit allem Denken an den Schachfiguren orientiert, ergibt sich eine doppelte Rückkopplung oder Irritation. So sehr der Deutsche wie der Französe einmal durch die mit tausend Fazetten verlaufene natürliche Kunstgeschichte samt dem noch einmal künstlich in Schulen und Erziehung vermittelten Geschichtsbewußtsein in seinem Verhalten bestimmt wird, wie der Schachspieler oder der Autofahrer durch die Struktur der jeweiligen Regeln des Spiels oder des Autos, was man natürlich verstehen und berücksichtigen muß, um Denken und Handeln verstehen zu können, so ist dennoch natürlich der Mensch nur halb oder gänzlich falsch verstanden, wenn man ihn oder auch sich selbst nur oder in der Hauptsache derart verkürzt als Autofahrer oder Deutscher, Franzose oder als Schachspieler bzw. gar als Schachfigur versteht und solches gar zur Identität erhebt. 
Über letzteres aber, dem wir als Versuchung jederzeit ausgesetzt sind, wenn ein Mensch die eigene Identität in solcher Rolle eines Rollenspiels als woanders, nämlich in sich selbst sieht, werde ich im Folgenden die Mathematik in der Person Gottlob Frege befragen, denn es geht bei solcher Rolle und Spielregel um beurteilbare allgemeine Werte oder Inhalte, und zwar beurteilbar durch andere, d.h. durch die oder durch eine Allgemeinheit. Frege steht fast seherisch ganz unmittelbar vor den weltanschaulichen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, und er ist zugleich bereits Philosoph, wenn er fordert, den Menschen oder den menschlichen Geist aus der Gewalt des Wortes zu befreien,  womit nicht seine Begriffsschrifft gemeint sein kann, mit der er eine noch festere, endgültigere Verbindlichkeit herstellen will.(Fußnote 2:   Im Vorwort zur "Begriffsschrift und andere Aufsätze", Seite XII[VI] Georg Olms Verlag, Hildesheim 1988.) 
Denn wenn man derart als Deutscher in den nationalen Konflikten dann von den "Franzosen" oder als Franzose von den Deutschen als den "Boschs" sprach, ist uns längst klar, daß wir mit solcher Universalie dann nicht die Identität bezeichnen sondern dieses Leben jenseits der nationalen Grenze als "die Tatsache, daß" und damit die "Wahrheit" als ein Schimpfwort und bereits als polemisches Urteil gebrauchen. Wir erleben diesen Wandel im Denkprozess von einer komplizierten Nachbarschaft zur klaren Feinschaft dann vielleicht tatsächlich als Erlösung von Unklarheit und Schwierigkeit als nun endlich handhabbare Tatsache und Macht. Was Schwering richtig "konstativ" und nicht einfach konstitutiv nennt (wenn es denn richtig gemeint ist, dem ich aber noch nachgehe), bedeutet womöglich nichts anderes, als daß wir uns selbst zu Gott, d.h. zum Signifikanten machten. Weniger offensichtlich geschieht dieses im Universalienstreit dann ähnlich, wenn man das, was man den kirchlichen Universalien vorhielt, dann durch eine empiristische "Wahrheit" quasi verabsolutiert. 3 



(Fußnote3:   Nach dem ersten Erschrecken als einem Aufwachen aus der Euphorie von solch absolutistischer Aufklärung schauen wir, wenn auch ernüchtert, ja nicht auf ein solipsistisches Nichts. Sondern, wenn Prauss in seiner Rückführung der Struktur alles Erkannten auf den Erkennenden in "Die Welt und wir" folgert: 
Prauss, Seite 762 (beharrlich gegen Nacheinander) "Und das bedeutet insgesammt, daß eine und dieselbe Synthesis es ist, wodurch sich Subjektivität auf Objektivität bezieht, weil Punkt und Ausdehnung dabei ja nur die Formen von Begriff und Anschauung darstellen: Sich als Begriff nicht nur zu bilden, sondem auch noch zu Verwenden, sprich, sich auch zu Urteil, Aussage oder Behauptung noch zu bilden, heißt für Subjektivität ineinem, sich als Anschauung nicht nur zu bilden, sondern auch noch zu verwenden: dahingehend nämlich, jenen Gegenstand als das durch bloße Bildung von Begriff und Anschauung bloß vorgestellte Andere nunmehr durch sich auch hinzustellen als Wirklich-Anderes. Und das geschieht mithin gerade so, daß Urteil, Aussage oder Behauptung als nicht bloß gebildeter, sondern auch noch verwendeter Begriff sich dann auf Anschauung als ebenfalls nicht bloß gebildete, sondern auch noch verwendete beziehen: dahingehend nämlich, daß sie Anschauung als Ausdehnung in Form von Raum dazu benutzen, ihr Zugleich nach innen auch noch als Zugleich nach außen oder gegen Nacheinander hinzustellen, eben als etwas Beharrliches und darin zweifaches Zugleich, worin allein denn auch ein Wirklich-Anderes zu (762) solchem Nacheinander und mithin ein Objekt für ein Subjekt überhaupt bestehen kann.(Vergl.: B233 als existierend mithin als beharrend) 
 Seite 765, 2. Abschnitt 
 Was uns auf diese Art nunmehr als Grundstruktur von Objektiviität entgegentritt, ist somit dasjenige, was im Zuge unserer Herleitung uns immer wieder neu als Grundstruktur  von Subjektivität entgegentrat, weil demgemäß die Grundstruktur von Objektivität auch in der Tat der Grundstruktur von Subjektivität entstammt: Daß nur das ein wirklich-anderes Objekt für ein Subjekt sein kann, was die durch ein Subjekt aus sich heraus für ein Objekt erzeugte Form erfüllt, bedeutet eben, daß auch umgekehrt nur das, was diese Form, indem es sie erfüllt, mithin erhält und so besitzt, ein wirklich-anderes Objekt für ein Subjekt sein kann, nämlich indem sie umgekehrt gewissermaßen wie vom Prägenden auf das Geprägte übergeht. Und dabei handelt es sich um genau die Form, zu der sich ein Subjekt zuallerletzt noch aus sich selbst heraus erzeugt, und das ist eben die von etwas, das Zugleich nicht nur nach innen, sondern auch nach außen ist, und damit die eines Beharrlichen. 
 Prauss Seite 767 
Mithin können hier auf dieser dritten Stufe in Gestalt von: Dies ist rot, und etwas Rotem, oder: Dies ist rund, und etwas Rundem, oder auch: Dies ist ein Tisch, und einem Tisch nur Wahrnehmung und Wahrgenommenes einander gegenübertreten. 
In genauester Entsprechung zueinander nehmen daher Wahrnehmung jeweils als Grundstruktur das innere Verhältnis von »Subjekt« und "Prädikat« an sowie Wahrgenommenes jeweils als Grundstruktur das innere Verhältnis von Substanz und Akzidens oder von Ding und Eigenschaft, Strukturen, welche demnach ebenso in Gegenüber zueinander wie in Einheit miteinander stehen. Und handelt es beim Wahrgenommenen sich jeweils auch im Gegensatz zur Wahrnehmung um Ausdehnung im Gegensatz  zu Punkt, so ändert das doch überhaupt nichts daran, daß auch dieses innere Verhältnis innerhalb von Objektivität infolge seiner Abstammung von Subjektivität genau wie jenes innere Vcrhältnis innerhalb von Subjektivität nur einmal mehr und nun ein letztes Mal bloß Differenz innerhalb von Identität sein kann bzw. innerhalb von absoluter Einheit oder Einfachheit bloß Komplexion. 
Und in der Tat ist, wie Sie längst schon wissen, das Verhältnis zwischen Ding und Eigenschaft oder Substanz und Akzidens in jedem Obiekt ein VerhäItnis: von der Art, daß keines davon es vermag, ohne das andere aufzutreten, und von daher auch gerade das Verhältnis eines Differenten in einem Identischen bzw. einer Komplexion in einer absoluten Einheit oder Einfachheit. Von bisher  ungelöster Problematik aber ist, wie Ihnen gleichfalls längst bereits bekannt, dieses Verhältnis deshalb, weil der Unterschied von Ding und Eigenschaft oder Substanz und Akzidens bislang nur negativ, nämlich nur dahingehend sich bestimmen läßt, daß eine Eigenschaft von einem Ding nicht Teil von diesem Ding, mithin auch selbst nicht Ding  ist, und ein Akzidens einer Substanz nicht Teil dieser Substanz, mit hin auch selber nicht Substanz ist. Und so könnte auch erst die  entsprechend positive, nämlich die BRestimmung, was denn sonst ein  Akzidenz bzw. eine Eigenschaft sei, wenn nicht selbst Substanz bzw. Ding die Lösung bringen: wie auch sie erst endgültig verhindern  könnte, beides immer wieder fälschlich zu verdinglichen bzw. zu  versubstanzialisieren und auf diese Weise das Obiekt, das doch ge rade Einheit von Substanz und Akzidens bzw. Ding und Eigenschaft  ist, zu zerfällen. " 
sollten wir mit Liebe und Verständnis zum Menschen das Konstatieren, Behaupten und Vertreten von Objektivität zuerst ja doch als Fähigkeit und Gabe annehmen und soweit bejahen, als dieses die Voraussetzung dazu war, zur Sprache, zu sozialen Regeln und zum heutigen Stand von Kunst und Wissenschaft und Zivilisation zu gelangen, wobei aber angesichts des modernen Fundamentalismus aufgrund einer empiristischen Verkennung solcher Objektivität die nun angesichts einer erreichten Qualität von technisch Machbarem wie der globalen Vernetzung der Menschheit anstehende Einsicht in die subjektive Bedingtheit des Konstativen, wie es Schwering mit dieser neuen postmodernen Begriffsbildung vorsichtig, wertneutral aber ja auch mißverständlich ausdrückt, nicht nur die Voraussetzung einer vernünftigen zwischenmenschlichen Beziehung, einer Zweierbeziehung oder Nachbarschaft ist, sondern wohl auch die Voraussetzung des Überlebens der Menschheit oder ihres Verbleibens in menschlichen Verhältnissen.)
 
Und wenn man dagegen bezüglich der Kunst der Meinung sein könnte, daß Kunst mit Wahrheit überhaupt nichts zu tun habe, weil es dort im Gegenteil nur um Schönheit und Unterhaltung, um reines Vergnügen und dazu sogar bewußt unter Verzicht auf Wahrheit um gewollte Illusion, Täuschung und mehr um künstliche Wirklichkeit gehe, - was ja weder bestritten noch verändert werden sollte, - so wäre DADA z.B. überhaupt nicht zu verstehen, wenn man dabei das quasi missionarische Engagement in seinem Bezug z.B. auf die unsinnige Wirklichkeit des Weltkrieges und zwar als Forderung von richtiger Einsicht, Vernunft, Wahrheit und Wahrhaftigkeit außer acht lassen würde, von dem intuitiv noch grundsätzlicheren Engagement ganz zu schweigen, das über den Anlaß ja auf dessen Ursprungsproblem hinaus will, und damit das Problem und Thema der Moderne von Form und Wahrheit neu thematisiert. 

Über diese hier nur angedeuteten Formen der Ausdrucksweisen hinaus ist die Sprache selbst natürlich ebenfalls als eine Form zu verstehen, wobei es z.B. ja eine deutsche, eine englische oder französische Form gibt. 
Ich empfinde es als einen großen Fortschritt der Menschheit, - und das möchte ich dem Folgenden voranstellen, - und zwar als Fortschritt der allgemeinen Vernunft der gesamten Menschheit, daß also der Geltungsbereich dieser Grundform, also der Sprache selbst, ich will im Sinne von Schwering sagen, der jeweilige Hegemonialbereich, nicht mehr zugleich als alleiniger Gültigkeits- und Wahrheitsbereich verstanden wird, daß man also nicht mehr zwischen richtigen und falschen Sprachen wertet und unterscheidet. Leider ist diese allgemeine Vernunft bloß da und nicht irgendwie gründlich durchdacht oder philosophisch begründet, und aus dem Essay von Schwering ist auch nicht ersichtlich, ob er die "Codes" der neuen Jugendkultur als ein Außerhalb solcher Vernunft befürwortet. 

Diese mehr angedeuteten Überlegungen sind mir - praktisch als Vorrede - deswegen wichtig, weil sie bezüglich der Proklamation als Form in dem schönen Aufsatz von Schwering eine entscheidende Rolle spielen, auf den ich gleich zu sprechen komme. 

DADA hat ja meine Sympathie, weil er in genau diesem Treffpunkt von Form, Inhalt, Wahrheit und Glaube bezüglich der politischen Situation wie der Kunst und auch wie der Sprache zumindest intuitiv Bewußtsein herstellt, und vor allen Dingen durch Persiflagen, durch Kritik, Übertreibungen und lautes Spektakel darauf aufmerksam macht, daß weder die Sprache selbst noch auch die zusätzliche Form einer Aussage, sei sie die private oder offiziöse mit Uniform und staatlicher Autorität aufgeputzte oder auch irgendwelche Sprüche noch nicht die Wahrheit, Wahrhaftigkeit oder Wirklichkeit oder Vernunft und Richtigkeit des Gesagten solcher Aussage bedeutet oder garantiert, so daß man ihr folgen müsse oder blind folgen könne. 

So war der Hintergrund des Beginns von DADA 1916 in der Schweiz durch eine Reihe von Künstlern wie Hugo Ball, Tristan Tzara, Hans Arp, Otto van Rees, Christian Schad, Sophie Täuber, Francis Picabia und in USA bei Walter Conrad Arensberg mit Marcel Duchamp, Alfred Stieglitz, Picabia, Man Ray Schamberg, Pach, Covert, Dove und viele andere die gemeinsame Ablehnung des Massakers von Marne und Verdun: Nahezu 3 Millionen Soldaten, Deutsche und Franzosen, hatten sich mit voller Begeisterung bereits gegenseitig getötet, und die Freiwilligen drängten mit lautem "Hurra" auf beiden Seiten nach und wurden dabei von ihren Lehrern und Vorbildern noch angefeuert. Ich stelle mir das Desaster manchmal so vor, als ob irgend ein Signal in dem ganzen Pathos jener Zeit - und zwar auf beiden Seiten - ( Die Bücher jener Zeit liegen ja noch in den Antiquariaten herum.) die logische Vernunft außer Kraft setzte, wie vielleicht bei den Walen, die wahrscheinlich durch irgendein Signal veranlaßt werden, an Land zu schwimmen und massenhaft zu verenden. 

Die Antikriegshaltung der DADAisten war sicher vernünftig und nicht einmal Pazifismus. Und der Weltkrieg oder beide Weltkriege waren mehr als nur einfach Rückfall in Barbarei und Unvernunft. Ganz im Gegenteil war ja der Bildungsstand der Kriegsparteien nicht nur der höchste der Welt, sondern höher als zu je einer anderen Zeit der Menschheitsgeschichte. Und diese Kriege als ein Phänomen der "Moderne" und der "Aufklärung" ist derart bis heute noch nicht verstanden. Der Aspekt wird zumindest einsichtig, wenn man die Parallele zieht, daß die Gefahr einer atomaren Verseuchung der Welt, wie natürlich auch der Protest dagegen erst dann machbar und denkbar ist, wenn man einen bestimmten Bildungsstand mit dem entsprechenden Bildungsbewußtsein voraussetzen kann. Oder noch allgemeiner: Wie ein Kind erst mit einem bestimmten "Reifegrad" sowohl gegen sich selbst wie gegen seine Umwelt einen entsprechend größeren Unsinn anstellen kann, insbesondere, wenn der Fähigkeit, etwas zu bewerkstelligen, noch keine Erfahrung und entsprechende mögliche Vernunft bezüglich der Folgen zur Seite steht. Dieses gilt auch für die Anwendung von Sprache. Im Unterschied aber zu dieser rein technischen Machbarkeit wie z.B. einer atomaren Verseuchung, mußte man, um einen Krieg machen zu können, Geldgeber, Soldaten und Bevölkerung mobilisieren können, d.h. hier mußten bestimmte Wahrheiten, Werte, Gültigkeiten, Kultur, Religion, Wissenschaft und selbst Philosophie, Soziologie und Kunst zu diesem Irrsinn des Krieges instrumentalisiert werden können. 
Mehr oder weniger war das natürlich schon immer so, - nicht aber in der gleichen Weise blind und zugleich bewußt als Machbarkeit verstanden und kalkuliert und dann dazu von den Tätern wie Opfern total geglaubt und befürwortet. 
Es war eine weltanschauliche Katastrophe. 
Man muß sich als Beispiel durchaus das Kind vorstellen, das z.B. mit Feuer bereits umgehen kann und nun in einem kleinen Zimmer nach und nach eine ganze Zeitung verbrennt, bis die Luft mit Rauch durchsetzt ist und den Augen weh tut und bis der Sauerstoff verbraucht ist. Immer steht bei solchem experimentellen Unsinn als bestehende uralte Erfahrung die Möglichkeit offen, die Fenster nach "draußen" zu öffnen oder das Zimmer nach "draußen" zu verlassen, während z.B. der neue Umstand, daß die Menschen innerhalb von knapp 30 Jahren durch die Anwendung von Verbrennungsmaschinen auch dieses "Draußen" in schlechte Luft verwandelt haben eine noch nicht vorhandene oder neue Erfahrung ist, d.h. daß wir uns in einem Raum befinden, den wir nicht verlassen und dessen Fenster wir nicht öffnen können und 2. daß wir uns alle gemeinsam und aufeinander angewiesen darin befinden, wie nicht anders die katastrophale Wirkung einer bestimmten Sprache und eines bestimmten Codes zuerst Unglauben einerseits und dann apokalyptische Angst andererseits hervorruft, ehe überhaupt über eine vernünftige Reaktion nachgedacht wird, - obwohl wir Menschen seit Kopernikus von unserer Situation wissen. 
So sind auch bis heute die weltanschaulichen Katastropen unseres Jahrhunderts als Folge von Machbarkeiten über die Sprache noch gar nicht recht verstanden. War es ein Glück, daß es die Atombombe erst nach Hitler gab, so war es ein Unglück, daß der Rundfunk erst kurz vor ihm enstand (1923 die erste Sendung und 1925 bereits 1 Million Empfänger in Deutschland), so daß einerseits die Propaganda und ihre Kontrolle bereits bewußt gehandhabt werden konnte, die Folge und der Erfolg aufgrund der Gläubigkeit der Bevölkerung aber selbst von den Initiatoren und Machern - und selbst von aller Welt recht mittelalterlich - dann wie ein positiv schicksalhaftes oder negativ apokalyptisches Geschehen erlebt und geglaubt wurde. 
So war es zwar neben dem empiristischen Irrglauben aber doch dadurch fundamentalistisch geprägt nicht zuletzt die Sprache, weswegen mit dem Sozialismus der größte Versuch der Menschheit scheiterte, mit internationaler Wirtschaft und Politik auf den Boden einer berechenbaren Vernunft zu gelangen. 
Vielleicht erscheint es Dir recht abenteuerlich, die Katastropen der Weltkriege und die anschließende ökologische Bedrohung auf ein Pathos oder auf eine Sprachform zurückzuführen, - aber wie sonst konnten in Deutschland und Frankreich Soldaten mobilisiert, Waffen bestellt werden, außer durch Sprache, deren besondere patriotisches Form doch für alle Franzosen auf der einen Seite und alle Deutschen auf der anderen irgendwie totale Verbindlichkeit und Gültigkeit bedeutete, wie sich auch der Glaube an Wissenschaft und Technik nach den Kriegen nur über die Sprache und Begrifflichkeit vermittelte, wohinter jedoch immer das Verhältnis zu dem mit Sprache benannten steht, nämlich um das Verhältnis zu dem, worum es geht: Wenn man von dem sicher starken und ja doch zu unterstreichenden Argument der Nützlichkeit technischer Geräte mal absieht, deren Konstruktion aber ebenfalls ohne Sprache nicht denkbar ist, sind es aber doch erst die fundamentalistische weil eben z.B. finanziell-rechnerische verabsolutierbare und die genauso fundamentalistische Gegenreaktion wie in den Weltkriegen, und nicht die Geräte selbst, die zur neuerlichen Katastrophe führen. Das individuelle Wasserstoff-oder Elektroauto könnte längst so schnell und billig laufen, wie die Diesel- oder Benzinwagen, ob Wasserstoff letztendlich nuklear (wie ich denke) oder durch die ja reichlich vorhandene Sonnenenergie hergestellt wird, ist dabei gleichgültig, bis sich ein besserer Energiespeicher findet, aber durch die rhetorisch d.h. sprachlich bedingte Verbohrtheit und die entsprechende Mobilisierung der Unvernunft beider Seiten, werden demnächst alle Asiaten und Afrikaner Benzin- und Dieselautos fahren und dazu ihre Elektrizität mit Öl herstellen, bis die Kriege um die Ölreste beginnen und bis sich der Himmel für ein paar Jahrhunderte verfinstert. Ohne dramatisieren zu wollen, sollte uns aber bewußt sein, daß die größere Gefahr, der dieses noch unmündige Kind "Menschheit" fast blindlings entgegentappst, darin droht, die in der Tat gigantische Umweltverschmutzung als das einzige und größte Problem zu sehen, und nicht im Bewußtsein des Einzelnen und zwar in seinem Verhältnis zur Allgemeinheit wie zu seinem Gewissen. 
Wie sehr aber eine ursprünglich im Umfeld und in Relation zur selbstgewachsenen Natur normale oder zumindest harmlose Wirkung der Sprache auf das menschliche Denken und Verhalten in der Gegenwart gerade angesichts einer zunehmend künstlich organisierten und auch formal zunehmend künstlich gestalteten Welt eine ganz neue Dimension erhält, wo man sich dessen nicht rechtzeitig bewußt wird, kann folgendes Bild verdeutlichen: Vergleiche die beiden Gegenstände Kieselstein und Tisch miteinander, wobei der Kieselstein in Form und Struktur natürlich ist und der Tisch künstlich. Wenn Du nun die Gegenstände wie die geschriebenen Wörter "Kieselstein" und "Tisch" in der Wirkung auf den Menschen miteinander vergleichst, soll nach folgender Überlegung der grundsätzliche Unterschied oder zumindest die Ursache einer Irritation deutlich werden. Wenn Du Dir das geschriebene Wort "Tisch" vorstellst, dann besteht es genaugenommen aus besonders geformter Tinte, oder womit Du gerade schreibst. Wenn Du Dir nun statt der Tinte als geformtes Material Holz als die geschnitzte Buchstaben H O L Z denkst, wäre der Unterschied, auf den ich hinaus will noch nicht erkennbar; wenn ich jedoch den hölzernen Tisch selbst als das entsprechend geformte Material sowohl als Tisch als auch für die Darstellung des Begriffs für Tisch nehme, habe ich nun sowohl den Tisch, wie auch die Aussage Tisch ineinem, - was ja immer geschieht, wo wir einem künstlichen Etwas, ob Sprache, Klang, Straße, Farbe oder auch Regel, Organisation, Gesetz oder Staatsgrenze begegnen. Während nun der Tisch oder jedes andere künstlich Erzeugte quasi neben jeder anderen Funktion menschliche Handschrift menschlichen Bewußtseins, Wollens, Denkens, Glaubens ist, führt die "unberührte Natur" der Form des Kieselsteines, des Donners, der Sonne, der Pflanze, des Pferdes u.s.w. in eine Welt unabsehbarer Ursprünge, wie sehr Phantasie, Angst, Spekulation, Glaube oder Wissenschaft dorthin auch vorzudringen scheint, wie wir glauben, wenn wir irrtümlich unsere Erkenntnis nicht mehr als Erkenntnis sondern als jene für uns unerreichbare Außenwelt selbst verstehen. Derart aber ist nicht nur das, was ich sage, sondern auch meine Kleidung, mein Auto, mein Haus wie aber auch jedes andere offizielle künstlich gemachte Etwas, wie Straße, Nation und Grenze zugleich Sprache. 
Und man tut den afrikanischen, indischen oder indianischen Medizinmännern, die mit der Angst vor dem Unabsehbaren umzugehen haben, unrecht, wenn man deren Masken nur in der beabsichtigten psychologischen Wirkung als Bauernfängerei und Show abtut, wie natürlich auch in Europa der Lippenstift, wie auch die Kleidung und selbst das Auto, das Bankkonto und weniger offensichtlich selbst die Nationalität wie letztlich auch der Name auch eine Art künstlicher Maske ist, wenn man dieses Künstliche (natürlich neben der praktischen Bedeutung) nicht auch als Sprache und zwar in einer logischen Unterscheidung vom unerreichbar Unabsehbaren, Unaussprechbaren, Unbewußten und Unmenschlichen sähe, wozu nun eben auch als Grenzbereich das normale menschliche Gesicht gehört. Die bewußte und freie menschliche Handlung und ihre Folgen- wenn auch mit Hilfe und Anwendung erkannter Naturgesetze - außerhalb des determiniert schicksalhaften Unabsehbaren ist etwas grundsätzlich anderes, als der normale Lauf allen Geschehens inclusive aller Gesetze, durch das niemals der bestimmte zusammengenagelte Tisch mit Schublade entstanden wäre. Dies ist so augenfällig, daß der logische Unterschied zwischen einem Naturgesetz, das wir erkennen, und der Anwendung, die wir ja nicht nur im sondern als Tisch auch erkennen, verwischt wird, weil dann das Erkennen eines Tisches wie eines Steines in gleicher Weise nur als ein Objekt, Gegenstand oder Begriff der Außenwelt als Nicht-Ich intendiert, was uns dann verführt, in den Aberglauben zu verfallen, vor den Schwering einleitend warnt, als sei nun beides Teil der Unabsehbarkeit eines "autarken Weltmechanismus". Und natürlich ist dann auch der Name eines Menschen nicht seine Identität sondern eine Maske, die jedoch nicht verdecken, und auch nicht nur in jenes uns gegenwärtig nur zum Teil "sichtbar" Unabsehbare eines Weltganzen hineingeschrieben und damit herausgehoben zeichnet oder demonstriert, sondern auch bei jenen Medizinmännern ins Noumenaische, ins Jenseits des Erkennbaren hinein wirken, und, wie bei der Anwendung eines erkannten Naturgesetztes - wie eben auch bei jedem künstlich gemachten Etwas, - von dort her wieder zurück in unserer Erkenntniswirklichkeit als Reaktion erscheint. Und man muß sich gar nicht streiten, daß jener Hokuspokus des Medinzinmannes weniger Aberglaube ist, als die Sicherheit des Empirikers, als habe die Aktion - ob Handlung oder Maske, - unser Gesichtsfeld nie verlassen - und nie verlassen sollen. Der persönliche Name ist dabei durchaus mehr als eine Verwaltungsformalität, sondern soll uns als ein Stück "Wirklichkeit" aus dem Unabsehbaren handhabbar werden lassen, was aber als Frage nach der Identität zu nichts führt. 
Wenn auch diese beiden Bereiche außerhalb unserer Einsichtsmöglichkeit und Vernunft bleiben, die Kant als das Antinomische und Noumena unterschied, ist trotzdem deren Niederschlag in Sprache, Bewußtsein und Grammatik der Modernen ein besonderer. Leicht einsichtig ist dieses bereits dadurch, daß jedes entdeckte Naturgesetz wie auch jedes gemachte Werkzeug eine Bezeichnung und einen Namen bekommt, wie jedes andere Ding der Natur. Für die Suche nach dem fundamentalistischen Mißton, der vielleicht noch von Prauss völlig herausgearbeitet werden kann, legten- wie in so vielem - die Gedanken von dem Mathematiker Gottlieb Frege zumindest einen Zipfel frei, als er gegen die Kritik von Benno Kerry seinen Gebrauch des Wortes "Begriff" verteidigte. Wenn Frege bei dem Versuch, eine wissenschaftliche Sprache zu entwerfen, in seinem Bemühen, das Geflecht der Normalsprache zu entwirren, auch manchmal den Faden am falschen Ende anpackte und damit womöglich Verknotungen und Mißverständnisse noch verstärkte, so machte er dabei dennoch viele Beziehungen kenntlich und auch die Folgende, von der aus man Technik überhaupt vielleicht neu definieren wird. Ich zitiere nur zwei Seiten aus dem Zusammenhang seines Aufsatze "Über Begriff und Gegenstand"  und füge meine entsprechenden Kommentare kursiv in den Text ein: 
Frege: Kerry möchte den Unterschied zwischen Begriff und Gegenstand nicht als absoluten gelten lassen. Er sagt: "Wir haben an früherer Stelle selbst der Ansicht Ausdruck gegeben, daß das Verhälrnis zwischen Begriffsinhalt und Begriffsgegenstand in gewisser Beziehung ein eigentümliches, irreduzibles sei; hiermit war aber keineswegs die Ansicht verbunden, daß die Eigenschaften: Begriff zu sein und Gegenstand zu sein einander ausschlössen; die letztere Ansicht daß also Begriff zu sein nicht ausschließt, auch Gegenstand zu sein, und umgekehrt, folgt aus der ersteren so wenig als etwa daraus, daß das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ein nicht weiter zurückführbares wäre, folgt, daß jemand nicht zugleich Vater und Sohn (wiewoh! natürlich nicht z.B. Vater dessen, dessen Sohn er ist) sein könne." 
 Hier muß man zuerst mal feststellen, wenn Frege von einem Unterschied zwischen Begriff und Gegenstand, und wenn Kerry den Unterschied zwischen Begriffsinhalt und Begriffsgegenstand meint, daß beide dieses durchaus nicht leichtsinnig für das Gleiche nehmen, daß aber auch im Folgenden  Begriff, Gegenstand, Erkenntnis und Wort nicht klar definiert werden. Man kann sich aber ein Wort wie einen Ersatzgegenstand denken, wie wir Geldstücke als Ersatzgegenstände für bestimmte Werte benutzen. 
Zum anderen ist das Beispiel denkbar schlecht, weil niemand auf den Gedanken kommen kann, daß Väter etwa nur Begriffe und dann etwa Söhne nur die Gegenstände wären oder umgekehrt. 
Knüpfen wir an dies Gleichnis an! Wenn es Wesen gäbe oder gegeben hätte, welche zwar Väter wären, aber nicht Söhne sein könnten, so würden solche Wesen offenbar ganz anderer Art sein als alle Menschen, welche Söhne sind. Ähnliches kommt nun hier vor. Der Begriff -- wie ich das Wort verstehe - ist prädikativ (Fußnote:Er ist nämlich Bedeutung eines grammatischen Prädikats.) Ein Gegenstandsname hingegen, ein Eigenname ist durchaus unfähig, als grammatisches Prädikat gebraucht zu werden. Dies bedarf freilich einer Erläuterung, um nicht falsch zu erscheinen. Kann man nicht ebensogut von etwas aussagen, es sei Alexander der Große, oder es sei die Zahl Vier, oder es sei der Planet Venus, wie man von etwas aussagen kann, es sei grün, oder es sei ein Säugetier? Wenn man so denkt, unterscheidet man nicht (S.194) die Gebrauchsweisen des Wortes ,ist'. In den letzten beiden Beispielen dient es als Kopula, als bloßes Formwort der Aussage. Als solches kann es zuweilen durch die bloße Personalendung vertreten werden. Man vergleiche z.B. ,dieses Blatt ist grün' und ,dieses Blatt grünt'. Wir sagen dann, daß etwas unter einen Begriff falle, und das grammatische Prädikat bedeutet dabei diesen Begriff. In den ersten drei Beispielen wird dagegen das ,ist" wie in der Arithmetik das Gleicheitszeichen gebraucht, um eine Gleichung auszusprechen. Im Satze ,der Morgenstern ist die Venus' haben wir zwei Eigennamen ,Morgenstern' und ,Venus" für denselben Gegenstand. In dem Satze ,der Morgenstern ist ein Planet" haben wir einen Eigennamen: "der Morgenstern" und ein Begriffswort: "ein Planet". Sprachlich zwar ist nichts geschehen, als daß ,die Venus' ersetzt ist durch "ein Planet"; aber sachlich ist die Beziehung eine ganz andere geworden. Eine Gleichung ist umkehrbar; das Fallen eines Gegenstandes unter einen Begriff ist eine nicht umkehrbare Beziehung. 
Und auch bei diesem "fallen unter" ist zwar "Gegenstand " aber ja nicht der Gegenstand selbst gemeint, der da fällt, - aber eben auch nicht etwa ein Wort, und natürlich auch nicht die Vorstellung von diesem Gegenstand, - obwohl ja zu verstehen ist, was von Frege gemeint ist, - nämlich das Ausgesprochene. 
Das "ist" im Satze ,.der Morgenstern ist die Venus' ist offenbar nicht die bloße Kopula, sondern auch inhaltlich ein wesentlicher Teil des Prädikats, so daß in den Worten: ,die Venus' nicht das ganze Prädikat enthalten ist. Man könnte dafür sagen: ,,der Morgenstern ist nichts anderes als die Venus", und hier haben wir, was vorhin in dem einfachen ,ist' lag, in vier Worte auseinandergelegt, und in ,ist nichts anderes als" ist nun ,ist* wirklich nur noch die Kopula. 
Hier irrt Frege, wie man weiß, wenn man Prauss gelesen hat. 
Was hier ausgesagt wird, ist also nicht die Venus, sondern nichts anderes als die Venus. Diese Worte bedeuten einen Begriff, unter den freilich nur ein einziger Gegenstand fällt. Aber ein solcher Begriff muß 
z Icfi braume das Wort .gleich' und das Zeichen .-' in dem Sinne von ,dasselbe wie', ,nichts anderes als', ,identisch mit'. Man vgl. E. Schröders Vorlesungen über dic Algebra der Logik (Leipzig lS90) l.Bd. s 1, wo jedom zu fadeln ist, daß zwischen den beiden grundverschiedenen Beziehungen des Fallens eines Gegenstandes unter einen Begriff und der Unterordnung eines Begriffes unter einen Begriff nicht unterschieden wird. Auch geben die Bemerkungcn über dir Vollwurzel zu Bedenken Veranlassung. Das Zeichen -( bei SchrödeT vertritt nicht einfach die Copula. (s Vgl. meine Grundlagen S 66 Anm.) immer noch von dem Gegenstande unterschieden werden 4. Wir haben hier ein Wort: ,Venus', welches nie eigentlich Prädikat (S.195) sein kann, wiewohl es einen Teil eines Prädikates bilden kann. 
Die Bedeutung' dieses Wortes kann also nie als Begriff auftreten, sondern nur als Gegenstand. 
Daß es etwas der Art gibt, würde auch Kerry wohl nicht bestreiten wollen. Damit wäre aber ein Unterschied zugestanden, dessen Anerkennung sehr wichtig ist, zwischen dem, was nur als Gegenstand auftreten kann, und allem übrigen. Und dieser Unterschied würde auch dann nicht verwischt werden, wenn es wahr wäre, was Kerry meint, daß es Begriffe gebe, welche auch Gegenstände sein können. Nun gibt es wirklich Fälle, welche diese Ansicht zu stützen scheinen. Ich habe selbst darauf hingewiesen (Grundlagen § 53 am Ende), daß ein Begriff unter einen höheren fallen könne, was jedoch nicht mit der Unterordnung eines Begriffes unter einen anderen zu verwechseln sei. Kerry beruft sich hierauf nicht, sondern gibt folgendes Beispiel: "der Begriff ,Pferd' ist ein leicht gewinnbarer Begriff", und meint, der Begriff "Pferd" sei Gegenstand, und zwar einer der Gegenstände, die unter den Begriff "leicht gewinnbarer Begriff" fallen. Ganz recht! Die drei Worte "der Begriff ,Pferd' " bezeichnen einen Gegenstand, aber eben darum keinen Begriff, wie ich das Wort gebrauche. Dies stimmt vollkommen mit dem von mir gegebenen Kennzeichen überein, wonach beim Singular der bestimmtc Artikel immer auf einen Gegenstand hinweist, während der unbestimmte ein Begriffswort begleitet. Kerry meint nun zwar, daß man auf sprachliche Unterscheidungen keine logische Festsetzungen gründen könne; aber in der Weise, wie ich das tue, kann es überhaupt niemand vermeiden, der solche Festsetzungen macht, weil wir uns ohne die Sprache nicht verständigen können und daher zuletzt doch immer auf das Vertrauen angewiesen sind, der andere verstehe die Worte, die Formen und die Satzbildung im wesentlichen so wie wir selbst. Wie schon gesagt: ich wollte nicht definieren, sondern nur Winke geben, indem ich mich dabei auf das allgemeine deutsche Sprachgefühl berief. Es kommt mir dabei vor- 
Fußnoten 
4 Vgl. meine Grundlagen Q 51. 
5 Man vgl. meinen Aufsarz Über Sinn und Bedeutung, der demnächfist 
in der Zeitschrift f. Phil. u. phil. Kritik erscheinen wird. Diese Aus- 
gabe S. 40-65. Hrsg.] 
6 Grundlagen s 51, § 66 Anm.. s 68 Anm S.80 
trefflich zustatten, daß der sprachliche Unterschied so gut mit dem sachlichen übereinstimmt. Beim unbestimmten Artikel ist wohl überhaupt keine Ausnahme von unserer Regel anzumerken, es wären denn altertümliche Formeln, wie ,,ein edler Rat". 
Nicht ganz so einfach liegt die Sache beim bestimmten Artikel, besonders im Plural; aber auf diesen Fall bezieht sich mein (Seite196) Kennzeichen nicht. Beim Singular ist die Sache, soviel ich sehe, nur dann zweifelhaft, wenn er statt des Plurals steht, wie in den Sätzen: ,,der Türke belagerte Wien", "das Pferd ist ein vierbeiniges Tier". Diese Fälle sind so leicht als besondere zu erkennen, daß unsere Regel durch ihr Vorkommen an Wert kaum einbüßt. Es ist klar, daß im ersten Satze ,.der "Türke" Eigenname eines Volkes ist. Der zweite Satz ist wohl am angemessensten als Ausdruck eines allgemeinen Urteils aufzufassen, wie: "alle Pferde sind vierbeinige Tiere", oder: "alle wohlausgebildeten Pferde sind vierbeinige Tiere", wovon später noch die Rede sein wird . 
(Fußnote 7: Man ist jetzt, wie es scheint, geneigt, die Tragweite des Satzes zu ühertreiben, daß verschiedene sprachliche Ausdrücke niemals vollkommen gleichwertig seien und daß ein Wort nie genau in einer anderen Sprache wiedergegeben werde. Man könnte vielleicht noch weiter gehen und sagen, nicht einmal dasselbe Wort werde von Menschen einer Sprache ganz gleich aufgefaßt. Wieviel Wahrheit in diesen Sätzen ist, will ich nicht untersuchen, sondern nur betonen, daß dennoch nicht selten in verschiedenen Ausdrücken etwas Gemeinsames liegt, was ich 
den Sinn und bei Särzen im besonderen den Gedanken nenne; mit anderen Worten; es darf nicht verkannt werden, daß man denselben Sinn, denselben Gedanken verschieden ausdrücken kann, wobei denn also die Verschiedenheit nicht eine solche des Sinnes, sondern nur eine der Auffassung, Beleuchtung, Färbung des Sinnes ist und für die Logik nicht in Betracht kommt. Es isr. möglich, daß ein Satz nicht mehr und nicht weniger Auskunft als ein anderer gibt; und trotz aller Mannigfaltigkeit der Sprachen hat die Menschheit einen gemeinsamen Schatz von Gedanken. Wenn man jede Umformung des Ausdrudcs verbieten wollte unter dem Vorgeben, daß damit auch der Inhalt verändert werde, so würde die Logik geradezu gelähmt; denn ihre Aufgabe ist nicht wohl lösbar, ohne daß man sich bemüht, den Gedanken in seinen mannigfachen Einkleidungen wiederzuerkennen. Auch jede Definition wäre als falsch zu verwerfen.) 
Wenn nun Kerry mein Kennzeichen unzutreffend nennt, indem er behauptet, in dem Satze "der Begriff, von dem ich jetzt eben spreche, ist ein Individualbegriff" bedeute der aus den ersten acht Wörtern bestehende Name sicherlich einen Begriff, so versteht er das Wort ,Begriff' nicht in meinem Sinne, und der Widerspruch liegt nicht in meinen Festsetzungen. Niemand kann aber verlangen, daß meine Ausdrucksweise mit der Kerrys übereinstimmen müsse. 
Es kann ja nicht verkannt werden, daß hier eine freilich unvermeidbare sprachliche Härte vorliegt, wenn wir behaupten: der (197) Begriff Pferd ist kein Begriff(8) während doch z.B. die Stadt Berlin eine Stadt und der Vulkan Vesuv ein Vulkan ist. Die Sprache befindet sich hier in einer Zwangslage, welche die Abweichung vom Gewöhnlichen rechtfertigt. Daß unser Fall ein besonderer ist, deutet Kerry selbst durch die Anführungszeichen  beim Wore ."Pferd" an -- ich gebrauche zu demselben Zwecke kursive [*] Schrift. Es lag kein Grund vor, die Wörter "Berlin" -  und ,,Vesuv" in ähnlicher Weise auszuzeichnen. Man hat bei logischen Untersuchungen nicht selten das Bedürfnis, etwas von einem Begriffe auszusagen und dies auch in die gewöbnliche 
Form für solche Aussagen zu kleiden, daß nämlich die Aussage Inhalt des grammatischen Prädikats wird. Danach würde man als Bedeutung des grammatischen Subjekts den Begriff erwarten;  aber dieser kann wegen seiner prädikativen Natur nicht ohne weiteres so erscheinen, sondern muß erst in einen Gegenstand verwandelt werden, oder, genauer gesprochen, er muß durch einen Gegenstand vertreten werden, den wir mittels der vorgesetzten Worte ,,der Begriff" bezeichnen, z. B. 
"der Begriff Mensch ist nicht leer". 
Hier sind die ersten drei Wörter als Eigenname(10) aufzufassen, der ebensowenig prädikativ gebraucht werden kann wie etwa Berlin" oder "Vesuv". Wenn wir sagen: ,,Jesus fällt unter den Begriff Mensch", so ist das prädikat (von der Kopula abgesehen) 
,,fallend unter den Begriff Mensch", 

Fußnoten 
8 Ähnliches kommt vor, wenn wir mit Beziehung auf den Satz "diese Rose ist rot" sagen: das grammatische Prädikat ,ist rot' gehört zum Subjekt "diese Rose". Hier sind die Worte ,,das grammatische Prädikat ,ist rot' ' nicht grammatisches Prädikat, sondern Subjekt. Gerade dadurch, daß wir es ausdrücklich Prädikat nennen, rauben wir ihm diese Eigenschaft. 
9 Vgl. meine Grundlagen S. X. 
10 Eigennamen nenne ich jedes Zeichen für einen Gegenstand. 

und das bedeutet dasselbe wie 
"ein Mensch". 
Von diesem Prädikate ist aber die Wortverbindung 
"der Begriff Mensch" 
nur ein Teil. 
Man könnte gegen die prädikative Natur des Begriffes geltend machen, daß doch von einem Subjektsbegriffe gesprochen werde. 
Aber auch in solchen Fällen, wie z. B. in dem Satze 
"alle Säugetiere haben rotes Blut" 
ist die prädikative Natur(11) des Begriffes nicht zu verkennen; 
denn man kann dafür sagen: 
"was Säugetier ist, hat rotes Blut", 
198 
oder 
"wenn etwas ein Säugetier ist, so hat es rotes Blut". 
 

Ich weiß nicht, ob es zwischen Frege (geb. 8. 11. 1848 in Wismar gest. 26. 7. 1925 )und der modernen Malerei Beziehungen gab, es ist aber eher unwahrscheinlich, wenn er von den Impressionisten und dem neuen Selbstverständnis der Expressionisten, von der »Brücke« in Dresden, von E. Heckel, E.-L. Kirchner, M. Pechstein, K. Schmidt-Rottluff, vom. » Blauen Reiter« in München, von F. Marc, W. Kandinsky, A. Macke, G. Münter, A. Kubin, von den antibürgerl. Protesten der Surrealisten u. Dadaisten M. Ernst, K. Schwitters, G. Grosz keinerlei Kenntnis mehr bekommen und in dem Streit um den Wahrheitswert einer augenscheinliche Ähnlichkeit nicht die moderne Position eingenommen haben sollte. Es ist gleichgültig, wieweit Du Dich im Einzelnen auf die Gedanken Freges einlassen möchtest und einläßt, ( die eigentliche Bedeutung von Frege und seinen Aussagen würdest Du ohnehin um so weniger erfassen, je mehr Du seine faszinierenden Gedanken als endgültige wahre Lehre, als eine Art dokmatisierbaren Evangeliums annehmen wolltest). Wenn Du z.B. mein Zitat aus dem Dialog Freges mit dem evgl. Theologen Bernhard Pünjer liest , und Du von dem rein Gedanklichen etwas Abstand nimmst wie von einem Bild der Moderne, wobei in dem Dialog der Unterschied von dem Wort "ist" bei der möglichen Bedeutung im Sinne von existierend und der anderen möglichen Bedeutung von haben, (wie eine Farbe oder Form haben) die Rede ist, und den Auswirkungen auf Schlußfolgerungen bezüglich von Gegenständen, Begriffen und Vorstellungen, wenn man beides gleichstellt oder verwechselt, so siehst Du erst im Abstand, daß z.B. erst Freges Voraussetzung des Selbstverständlichen, wie in der Malerei den möglichen Irrtum und zugleich die Fragwürdigkeit der Wahrheit im Selbstverständlichen erkennbar macht. So sind auch seine Verzerrungen  Freiheitsdemonstrationen, wie z.B. der Satz "Einiges Seiende fällt unter den Begriff des Nichtseienden." oder "Es gibt Gegenstände von Vorstellungen, welche Gegenstände nicht erfahrbar sind.", ohne die Freiheiten der Moderne kaum denkbar. So wie ich heute nicht nur in diesem Brief unmittebar und indirekt von der "Wende 1989" beeinflußt bin, wobei Wende ja bedeutet, daß man vorher vom Sozialismus und seiner Weltanschauung eher fürsorglich wie von einem behinderten Kind sprach, während solche Weltanschauung mir heute eher wie ein drohendes Monster und Schreckgespenst Alpträume bereitet, wobei solcher "Sozialismus", in gleicherweise wie vorher undurchdacht und nur grausam perfektioniert, ja nicht von der denkträgen SPD oder PDS zu befürchten wäre, sondern eher von einigen Öl-, Medien- und Zigarettenmultis zur Arbeitsbeschaffung einfach deswegen realisiert werden könnte, weil der Geldumlauf über die Sozialämter und Staatskassen zu träge läuft und die Weltwirtschaft abwürgt, und sicher nicht von Moskau sondern eher von Chicago aus. 
Und Freges Resümee "Man sieht hieraus, wie leicht man durch die Sprache zu falschen Auffassungen verleitet wird, und welchen Wert es daher für die Philosophie haben muß, sich der Herrschaft der Sprache zu entziehen." wird gerade durch die grundsätzlichen Verirrungen in seinen logisch richtigen und wertvollen Zeichnungen noch unterstrichen. 

Sicher wäre es trotzdem wohl übertrieben, von einem Einfluß der Kunst auf die Mathematik der Jahrhundertwende zu sprechen. Keinesfalls werde ich aber dem sonst wohl verdienstvollen Fregeherausgeber, Gottfried Gabriel, glauben, der vielleicht ungewollt mit dem verstreut gebrauchten Wort "Dichtung" in Freges Schriften dem Mathematiker die verballhornte Bedeutung von "Dichtung und Wahrheit" als Ansicht anhängt.  etwa derart aber unwillkürlich denke ich bei vorigem Texten wie überhaupt bei Frege an Paul Césanne und Pablo Picasso, an DADA, an den Surrealismus und an Bruno Ernst und M. C. Escher mit den perspektivischen Unmöglichkeiten, und sicher ist Frege samt der Situation der Mathematik ein Kind oder ein Ereignis der Moderne und des gleichen Qualifikationsgrades an Reflektionsbereitschaft. Ein Mathematiker und Philosoph wird mich deswegen wahrscheinlich für gänzlich inkompetent halten, wenn ich unbesehen, d.h. ohne das Richtige zu behaupten, viele Behauptungen Freges oder womöglich alle für falsch halte, wie ich auch die Regeln des Schachspiels als Widergabe der Wirklichkeit für falsch halte, die die Prämisse zu einer Schlußfolgerung zu sein scheinen, wobei ich aber die Schlußfolgerung oder die folgende Aussagen dann für wichtige Erkenntnisse halte, die ohne jene Verzerrung gar nicht erkennbar geworden wären, weswegen ich eben auch in gleicher Weise nicht das Bedürfnis oder die Notwendigkeit empfinde, auf die anatomische Richtigkeit oder Falschheit in moderner Malerei hinzuweisen, wie etwa auf die oft in der Höhe versetzten Augen in Porträts bei Picasso. 
In seinem Aufsatz "Über die wissenschaftliche Berechtigung einer Begriffsschrift" z.B. behauptet Frege, "Denn der sinnlichen Zeichen bedürfen wir nun einmal zum Denken . . ." oder später im gleichen Vortrag: " . . denn in Worten denken wir trotzdem und wenn nicht in Worten, doch in mathematischen oder anderen Zeichen." - dem ich so selbstverständlich nicht zustimmen kann, als wenn jemand von einem Sonnenaufgang zu einer bestimmten Zeit spricht, so daß ich gar nicht an eine Richtigstellung denke, was das Richtige in seinem Gedanken auch nur verwischen würde, und so einen viel wichtigeren Gedanken von Frege, der in sich bereits das Gegenteil besagt, um so deutlicher sehe, wenn er in seinem Vortrag über "Funktion und Begriff" folgert: " Die jetzt sehr verbreitete Neigung, nichts als Gegenstand anzuerkennen, was nicht mit Sinnen wahrgenommen werden kann, verleitet dann dazu, die Zahlzeichen selbst für die Zahlen, für die eigentlichen Gegenstände der Betrachtung zu halten; und dann wären ja freilich 7 und 2+5 verschieden. Aber eine solche Auffassung ist nicht zu halten, weil man gar nicht von irgendwelchen arithmetischen Eigenschaften der Zahlen sprechen kann, ohne auf die Bedeutung der Zahlzeichen zurückzugehen. Die Eigenschaft der 1 z.B., mit sich selbst multipliziert sich selbst wieder zu ergeben, wäre eine reine Erdichtung; keine noch so weit getriebene mikroskopische Untersuchung könnte jemals diese Eigenschaft an dem unschuldigen Gebilde entdecken, das wir Zahlzeichen Eins nennen. Man spricht vielleicht von einer Definition; aber keine Definition ist in der Weise schöpferisch, daß sie einem Dinge Eigenschaften verleihen könnte, die es nun einmal nicht hat, außer der einen, das auszudrücken und zu bezeichnen, wofür die Definition es als Zeichen einführt." - Was ja dann auch bedeutet, daß auch Inhalt und Bedeutung nicht durch die Form bestimmt werden und von ihr abhängen. 

Konkreter können wir uns aber nach Frege vorstellen, um es einfach zu machen, daß z.B. ein künstlich gefertigter Gegenstand einen Namen bekommt, wie z.B. "Tisch", wobei dann dadurch, daß 
· 1. viele Tische und viele Arten von Tischen hergestellt werden, und daß 
· 2. viele oder alle Menschen einen Tisch wie auch den Namen "Tisch" kennen, 
dann aus dem Namen ein prädikativer Gegenstand und Begriff wird - und der damit dann Bestandteil unseres Bewußtsein ist . 
Ich will einen solchen Sinnwandel des Wortes später noch einmal von einer anderen Seite illustrieren. 
Die Bedeutung, bzw. den Begriff, oder das Allgemeine des Begriffs als Funktion des Tisches -und zwar des Gebrauchsgegenstandes - kann man natürlich ebensowenig mit Hilfe eines Mikroskopes an dem Holz oder den Nägeln oder der Form oder Farbe des Tisches feststellen, wie das entsprechende an dem geschriebenen Wort als einen Gegenstand aus Tinte, den man als Zeichen oder Code für den Tisch festgesetzt hatte. Das ist die große philosophische Aussage Freges hinter allem und birgt den Schlüssel, viele Mißverständnisse nicht nur in der Mathematik sondern auch in Soziologie und Politik aufzuklären, obwohl es natürlich ärgerlich ist, daß man sagen möchte, alles sei trotzdem falsch, und Frege wie die DADAisten hätten vergessen, daß wir uns auch damit letztlich doch weiter an empirischen Formen orientieren, - ob man wie ursprünglich von dem konstruierten, zusammengenagelten Gestell ausgeht, oder dann von dem Wort mit der allgemeinen Bedeutung "Tisch", oder nun bei Frege  von einem Begriff, der nun als Funktion dargestellt wird, wobei man solches bezüglich festgelegter Zeichen oder auch konstruierter Tische nur um etwas verschiebt. 
Ich kann den ersten Äger über die Modernen Maler und erst recht den Ärger über die DADAisten sehr gut nachvollziehen, - wie aber auch einen Ärger über Frege - die mit einer alternativen Form einmal ein mögliches Mißverständnis bezüglich alter Formen aufdecken, jedoch dann wieder "formal" "in anderer Form" weitermachen und dabei von Wahrheit sprechen, obwohl an den Darstellungen wie bei Frege nichts mehr in gewohnter Weise stimmt.. 
Wenn Frege formuliert, daß er eine andere Bezeichnungsweise einführt, - "Wenn wir schreiben x²-4x=x(x-4), so haben wir nicht eine Funktion der anderen, sondern nur die Funktionswerte einander gleichgesetzt. Und wenn wir diese Gleichung so verstehen, daß sie gelten soll, was für ein Argument auch für x eingesetzt werden möge, so haben wir damit die Allgemeinheit der Gleichung ausgedrückt.",  um nämlich dieses "Allgemeine" genauer verständlich zu machen, dann klingt so etwas wie "offiziell" in dem "allgemein" zwar mit, aber er denkt dabei nicht an einen sozialen Akt bezüglich der Allgemeinheit von Menschen die z.B. von einer Vielzahl von Tischen und von einer Vielzahl von Tischformen weiß oder für die die "Zahl" ein allgemeinbekannter bestimmter Begriff ist für die Vielzahl aller Zahlen und wobei x in der Mathematik für irgendeine Zahl praktisch ein ungenaues Zeichen für "Begriff Zahl" und damit nur ein neuer Begriff für "Begriff Zahl" ist, das durch die Funktion weiter präzisiert wird. 
Und Frege meint mit Allgemeinheit sicher auch nicht den offiziösen Stil einer Rede derart, daß mit "allgemein" rhetorisch verstanden zugleich ein funktionelles Wahrheitspathos verbunden ist. 
Und wenn bei Frege hierbei der Begriff zu einer Funktion wird, denkt er nicht an eine gesellschaftliche oder gar politische Funktion, die nun von der Form einer Schreibweise oder Sprachweise auf das Denken der Allgemeinheit einwirkt oder an eine entsprechende Correlation vom Denken des Einzelnen, der eine solche Formel aufschreibt und dem Denken der Allgemeinheit, die eine solche Formel liest und als Sprache wie als Wahrheit oder Unwahrheit akzeptiert und glaubt oder ablehnt und nicht glaubt, aber er sieht hier ein logisches Grundgesetz 
(Fußnote:   Siehe seinen Vortrag über "Funktion und Begriff"!: "Ich sprach das so aus: Die Funktion x(x-4) hat denselben Wertverlauf wie die Funktion x²-4x. Wenn wir schreiben x²-4x=x(x-4), so haben wir nicht eine Funktion der anderen, sondern nur die Funktionswerte einander gleichgesetzt. Und wenn wir diese Gleichung so verstehen, daß sie gelten soll, was für ein Argument auch für x eingesetzt werden möge, so haben wir damit die Allgemeinheit der Gleichung ausgedrückt. · · · · · · · · · · so daß wir in e’(e-4e) = á(a’[a-4])den Ausdruck dafür haben, daß der erste Wertverlauf derselbe wie der zweite ist. · · · · · x²-4x=x(x-4) drückt zwar denselben Sinn aus, wenn wir es wie oben verstehen, aber in anderer Weise. Es stellt den Sinn da als Allgemeinheit einer Gleichung, während der neu eingeführte Ausdruck einfach eine Gleichung ist, deren rechte Seite sowohl wie die linke eine in sich abgeschlossene Bedeutung hat. · · · · · · · · · · Die sprachliche Form der Gleichung ist ein Behauptungssatz. Ein solcher enthält als Sinn einen Gedanken - oder macht wenigstens Anspruch darauf, einen z7u enthalten -; und dieser Gedanke ist im Allgemeinen wahr oder falsch; ("Diese Konstruktion ist ein Tisch." (von mir eingefügt)) d.h. er hat im allgemeinen einen Wahrheitswert, der ebenso als Bedeutung des Satzes aufzufassen ist, wie etwa die Zahl 4 die Bedeutung des Ausdruckes "2+2" ist, oder wie London die Bedeutung des Ausdruckes "Englands Hauptstadt" ist. 
  Frege in seinem Vortrag über Funktion und Begriff: "Daß es nun möglich ist, die Allgemeinheit einer Gleichung zwischen Funktionswerten als eine Gleichung aufzufassen, nämlich als eine Gleichung zwischen Wertverläufen, ist, wie mir scheint, nicht zu beweisen, sondern muß als logisches Grundgesetz angesehen werden.")

 
auf das wir bei Frege derart reflektieren können, wie bei jeder abstrakten oder ungegenständlichen Malerei oder Plastik. 
Wenn Frege dann einen Gegenstand folgendermaßen beschreibt: 
Frege: "Funktion und Begriff" (15) "Wenn wir Gegenstände ohne Einschränkung als Argumente und als Funktionswerte zugelassen haben, (von mir als Beispiel: "Diese in Form und Farbe sichtbare, fühlbare Kunstruktion oder dieser Gegenstand ist ein Tisch.") , so fragt es sich nun, was hier Gegenstand genannt wird. Eine schulmäßige Definition halte ich für unmöglich, weil wir hier etwas haben, was wegen seiner Einfachheit eine logische Zerlegung nicht zuläßt. Es ist nur möglich, auf das hinzudeuten, was gemeint ist. Hier kann nur kurz gesagt werden: Gegenstand ist alles, was nicht Funktion ist, dessen Ausdruck also keine leere Stelle mit sich führt. 
Ein Behauptungssatz enthält keine leere Stelle, und darum ist seine Bedeutung als Gegenstand anzusehen. Die Bedeutung aber ist ein Wahrheitswert. Also sind die beiden Wahrheitswerte (von mir: "der Formel e’(e-4e) = á(a’[a-4])") Gegenstände." · · · · · 
dann ist dieses nichts anderes als ungegenständliche Malerei oder Darstellung, in der in gleicher Bescheidung oder Unbescheidenheit nicht mehr abgebildet wird, oder eine Abbildung als Ebenbild angestrebt bzw. vorgegeben sondern nun bewußt etwas samt und durch Kontext als Abbildungsgegenstand gezeigt, gezeichnet oder angedeutet wird. 

Dieser Vergleich der Mathematik mit DADA, mit Mail-Art und der Malerei klingt nun in der Tat vielleicht ziemlich abstrakt und bis hierhin vielleicht sogar wie an den Haaren herbeigezogen. Und vielleicht hat jemand den Eindruck, daß ich mich mit großen Namen schmücken und wichtigtun möchte, wenn ich im Folgenden neben Frege auch Kant und Prauss zitiere, weil ich nun tatsächlich von der Mathematik keine und von der schulischen Philosophie wenig Ahnung habe. 
Natürlich bin ich stolz, die großen Namen nennen und zitieren zu können. Stolz bin ich aber vor allen Dingen, daß es überhaupt solche Leute gibt, denen es um die Sache und um Richtigkeit geht und nicht nur um parteiliche rhetorische Wühlerei, mit der ich normaler Weise zu tun habe, was ich am Ende des Briefes noch kurz beschreibe, die als Verbohrtheit aber letztlich besonders bei den Besten und Begabtesten wie Schwering wohl auf Unkenntnis und nicht auf blödes Vasallentum zurückzuführen ist. 
Ich schicke Dir mit diesem Brief das Büchlein "Funktion, Begriff, Bedeutung" mit fünf kleinen allgemeinverständlichen Aufsätzen von Frege , in dem Du die Zitate nochmal im Zusammenhang lesen kannst, wenn Du willst. Frege ist, wie Du sehen wirst, wie die Moderne, wie Mail-Art und DADA Grenzgänger. Grenzgänger ist er nicht nur, - aber auch das! - weil er die Grenze von der Mathematik zur Sprachwissenschaft und Philosophie und insbesondere zum Normalsprachigen aufstößt oder schlicht ignoriert, (leider nicht ausdrücklich auch zur Kunst!) sondern viel grundsätzlicher, weil er im Unterschied zu seinem großen Kollegen David Hilbert, dem man auf seinen Grabstein den Spruch schreiben ließ "Wir müssen wissen. Wir werden wissen.", geradezu schlafwandlerisch mit mathematischer Präzision und Rücksichtslosigkeit in den Bereichen zwischen "ignoramus et ignorabimus" (wie wissen nicht und wir werden nicht wissen,) und einem platonischen Glauben an die handgreifliche Realität des Gedachten hin und her wandelt, und es zugibt und bezeichnet. 
Ärgerlich macht Frege, wenn man beim Lesen plötzlich nicht mehr weiß, ob er nun von der Bedeutung, von dem Sinn, von dem Begriff, von der Funktion, von dem Gegenstand oder dem Wort eines Ausdruckes spricht und wie er solches definiert oder als Bedeutung nur angedeutet hatte und wenn man drei Mal die Sätze vorher grammatisch wieder durchgehen muß. Wenn man sich diese 7 Aspekte unseres Denkens nach der Auffassung von Frege aber auf einen kleinen Zettel notiert hat und man dann den Sinn einer Bedeutung und die Bedeutung des Sinns nicht mehr durcheinander bringt, fühlt man einerseits vielleicht, daß vieles nicht stimmen kann, was aber eben erst dadurch auffällt, und was erst in unseren Tagen durch Prauss, also mehr als hundert Jahre nach Frege dann andererseits auch überhaupt erst verstanden werden kann, - wenn man dieses als Laie auch wiederum als neues Ufer neuer Einsicht nur ahnt oder fühlt. 
Wenn Frege zur Frage der Identität in seinem Aufsatz "Über Sinn und Bedeutung" mit der Bemerkung beginnt, daß "die Entdeckung, daß nicht jeden Morgen eine neue Sonne aufgeht, sondern immer dieselbe," zeichnet er mit diesen wenigen Worten eben nicht nur ein eindrucksvolles Bild der Entwicklung menschlichen Denkens zu immer mehr Richtigkeit oder zu immer weniger Irrglaube, was sich mit folgenden Namen und Daten weiter ausmalen läßt: 
Ptolemäus Claudius, bekanntester Geograph, Mathematiker u. Astronom des Altertums, lebte um 140 n. Chr. in Alexandria. begr. er das geozentr. Ptolemäische Weltsystem (die Erde als Mittelpunkt des Planetensystems). 
Kopernikus (Copernicus,) Nikolaus, * 1473, † 1543, dt. Astronom; 
Kepler Johannes, * 1571, † 1630, dt. Astronom; 
Galilei Galileo, * 1564, † 1642, ital. Naturforscher; 
Newton (Isaak) ['nju:tÖn] Sir Isaac, * 1643, † 1727, engl. Physiker, Mathematiker u. Astronom; 
Gottlob Frege geb. 8. 11. 1848 in Wismar gest. 26. 7. 1925 in Bad Kleinen; lehrte in Jena. 
Hilbert David, * 1862, † 1943, dt. Mathematiker; Arbeiten über die »Grundlagen der Geometrie« (1899), 
Einstein Albert, * 1879, † 1955, dt.-amerik. Physiker; 
sondern er zeichnet damit und besonders durch diese Aufsätze auch ein Bild unseres gegenwärtigen Zustandes des noch Irrens, Suchens und Versuchens auf halbem Wege erst. 
Aber, wenn er Begriffe wie Allgemeinheit und Wahrheit zu Bestandteilen von mathematischen Formeln und Sätzen macht, oder eigentlich die "Allgemeinheit" und Wahrheit als bereits schon immer für uns bestehender Bestandteil unserer Formeln und Sätze nachweist, mit deren Hilfe wir ja Maschinen bauen, Sprengungen und irrsinnige Energien berechnen und lenken, so wird es geradezu unheimlich, - so falsch oder ungenau solches Denken auch immer sein mag, - die Wahrheit, den Glauben daran und die "Allgemeinheit" zusammen als Faktoren in einer mathematischen Formel zu entdecken, die sich entsprechend wie eine Sprengladung berechnen und anwenden läßt und gewollt oder ungewollt auch politisch auswirkt, was mit Blick auf die weltanschaulichen Katastrophen unseres Jahrhunderts und auf den sozialistischen Materialismus der jüngsten Vergangenheit und der kaum zu entgehenden Zukunft von beängstigender Aktualität ist, andererseits aber auch den Schlüssel bietet, vergangene und gegenwärtige gesellschaftliche Ereignisse und auch den modernen Fundamentalismus villeicht zu verstehen und ihm zu begegnen, weil man Dank dieser Darstellung und der gigantischen Arbeit von Prauss heute eben nachweisen kann, daß und weshalb oder wieweit diese totsichere Wahrheit in solchen Formeln und Sätzen eben zu Irrglaube oder Aberglaubewerden können, wie er in dem Aufsatz von Schwering "Anders eigen" als Zeitgeist oder Ungeist gezeichnet, vertreten und zugleich kritisiert wird. 
Mit einer Horrorvorstellung, die mich in Birma überkam, und an die ich mit den derart ja gemachten Massenselbstmorden der Sonnenanbeter wieder erinnert wurde, will ich das Ausmaß solcher Machbarkeit mit der Allgemeinheit als Gefahr verdeutlichen: Wenn es z.B. seit langem "allgemein" die Regel wäre, daß der Mensch sich nicht mehr die zufällige Geburt wie auch nicht mehr den zufälligen Tod leisten kann, wofür es in hundert Jahren bei einer vielleicht 100fachen Weltbevölkerung sicher viele Argumente geben würde, und der Mensch ab etwa 50 oder später ab 40 oder dann ab 38 Jahren laut einer Verordnung alle Rechte auf Wohnung, Versorgung und Nahrung verliert und - 'wie alle Menschen nun einmal sterben müssen', - sich in einem Krankenhaus melden muß, um bei allem geistlichen Beistand und Anstand und Würde zu sterben, - wobei sich ja an den Trost- und Beileidsformeln und an echtem Leid und echter Angst zu heutigen Verhältnissen nichts wesentliches ändern würde, - nur daß der Tod eben durch eine Medizin verabreicht würde, dann wäre - wie heute nicht anders - der Tod und das Sterben eine Trivialität, das offiziell im Sinne allgemeiner Erfahrung ja immer nur die anderen getroffen hat und als besonderes Ereignis immer nur außerhalb der Formel stattfindet. 
Diese Horrorvorstellung vervollständigt sich noch nicht einmal, wenn ich mir dabei die heutigen Extreme am Rande aller Metropolen etwas "perfektioniert" denke, wenn heutige Slams und Gefängnisse dann Durchgangslager für Verweigerer und die heute bestehenden Reservate für Stars, Prominenz und Uperclass etwas verändert Bereiche werden, wo wichtigen und verdienstvollen Menschen ein natürliches oder ein auf das mehrfache künstlich verlängertes Alter ermöglicht würde.Den eigentlichen Horror empfinde ich bei der Vorstellung, daß man solches sprachlos als selbstverständlich hinnehmen und im Sinne von Formeln und Sätzen sogar theologisch verteidigen kann, und daß es funktionieren würde, wie auch die Atombombe funktioniert. 
Bewahre uns Gott vor solchen Fehlern, die letztlich aufgrund bestimmter Denkstrukturen möglich sind. 
Wenn Frege formuliert: "Wenn wir schreiben x²-4x=x(x-4), so haben wir nicht eine Funktion der anderen, sondern nur die Funktionswerte einander gleichgesetzt. Und wenn wir diese Gleichung so verstehen, daß sie gelten soll, was für ein Argument auch für x eingesetzt werden möge, so haben wir damit die Allgemeinheit der Gleichung ausgedrückt." 
dann kann dieses zehnmal widerlegbar und falsch sein und trotzdem in der Art zutreffen, daß wir Menschen tatsächlich so denken und uns eben so verhalten und dann auch so behandelt werden können. Mit "Allgemeinheit" ist eben niemals nur die Allgemeinheit der Zahlenwelt gemeint, als könne es diese außerhalb des Menschen als eigene Welt mit eigenen allgemeinen Regeln geben, sondern Allgemeinheit bedeutet zugleich ja immer zuerst als Voraussetzung "für alle Menschen verbindlich". Und es würde den Rahmen dieses Briefes und seine Konzeption sprengen, - und vielleicht tatsächlich auch meine Kompetenz - wollte ich nun im Einzelnen bereits beginnen, unser gewohntes Verhalten und Denken aufzuschlüsseln, ob nun z.B. eine Uniform gleichzusetzen wäre mit Anführungsstrichen oder ob die Aussage eines Uniformierten dann in runden oder eckigen Klammern vor oder über einem Bruchstrich zu stehen hätte, und wann solche bei einem normalen alltäglichen Geschehen dann als Funktion, Begriff oder Gegenstand bewertet wird, und wieweit dann Aktion und Reaktion auf angeborene oder anerzogene Muster oder auf kosmische Gesetze rückführbar sind. Es kann mir in diesem Brief nur darum gehen, aus der Sprachlosigkeit gegenüber solcher Verfangenheit und Machbarkeit herauszukommen, denn meine ganze Mail-Art-Aktion mit Internet und Homepage der nächsten 4 Jahre zielt dahin, aus dieser peinlichen Situation der Modernen den Ausweg zu versuchen, statt in billigen formalistischen Fundamentalismen zu verfallen, wogegen auch Schwering anwill, daß man nämlich z.B. selbst 50 Jahre nach den faschistischen Bücher- und Bildervernichtungen noch nicht in der Lage ist, die moderne Malerei zu begründen, wie es die Fernsehdiskussion kürzlich mit Kishon zeigte (dessen provozierende Kritik ich wunderbar fand), bei der Künstler sowenig wie Kunstwissenschaftler in der Lage waren, das tiefe intuitive Anliegen zu formulieren, wobei selbst das Naheliegendste, daß die Moderne und jedes gute wie schlechte Bild der Moderne schlicht ja auch eine Möglichkeit und als solche ja gerade als die von Kishon kritisierte Beliebigkeit menschliche Freiheit ist, nicht einmal zur Sprache kam. 

Wie sehr Wahrheits- und Gültigkeitserwartung mit dem ganz unbewußt gelebten falschen wie richtigen Glauben in Verbindung und Abhängigkeit besteht, magst Du empfinden, wenn Du einmal ein paar Zeilen des großen deutschen Philosophen Kant liest, den man wegen seiner Aussagen als ungläubigen Atheisten und Gottesleugner beschimpfte. 
Ich zitiere ihn einmal mit einem Text, den man ihn als unchristlich ankreidete, und dann zum anderen, - wenige Seiten aus dem gleichen Kapitel, wo man ihn deutlich als tiefgläubigen Menschen erkennt, obwohl dieses seiner wortwörtlichen Aussage zu widersprechen scheint: 

(Kant: Die Methaphysik der Sitten (A 104) Band 8, Seite 576) 
VON DEM ERSTEN GEBOT ALLER PFLICHTEN GEGEN SICH SELBST. 
§14 
Dieses ist: Erkenne (erforsche, ergründe) dich selbst nicht nach deiner physischen Vollkommenheit (der Tauglichkeit oder Untauglichkeit zu allerlei dir beliebigen oder auch gebotenen Zwecke), sondern nach der moralischen, in Beziehung auf deine Pflicht - dein Herz - ob es gut oder böse sei, ob die Quelle deiner Handlungen lauter oder un- lauter, und was, entweder als ursprünglich zur Substanz des Menschen gehörend, oder, als abgeleitet (erworben oder zugezogen) ihm selbst zugerechnet werden kann und zum moralischen Zustande gehören mag. Das moralische Selbsterkenntnis, das in die schwerer zu ergründende Tiefen (Abgrund) des Herzens zu dringen verlangt, ist aller menschlichen Weisheit Anfang. Denn die letztere, welche in der Zusammenstimmung des Willens eines Wesen zum Endzweck besteht, bedarf beim Menschen zu allererst die Wegräumung der inneren Hindernisse (eines bösen in ihm genistelten Willens), und dann, die Entwickelung der nie verlierbaren ursprünglichen Anlage eines guten Willens in ihm zu entwickeln (nur die Höllenfahrt des Selbsterkenntnisses bahnt den Weg zur Vergötterung). 
(Seite 577(A 105,106)) 
VON DER AMPHIBOLIE DER MORALISCHEN REFLEXIONSBEGRIFFE: DAS WAS PFLICHT DES MENSCHEN GEGEN SICH SELBST IST· FÜR PFLICHT GEGEN ANDERE ZU HALTEN 
§I6 
Nach der bloßen Vernunft zu urteilen hat der Mensch sonst keine Pflicht, als bloß gegen den Menschen (sich selbst oder einen anderen); denn seine Pflicht gegen irgend ein Subjekt ist die moralische Nötigung durch dieses seinen Willen. Das nötigende (verpflichtende) Subjekt muß also erstlich eine Person sein, zweitens muß diese Person als Gegenstand der Erfahrung gegeben sein; weil der Mensch auf den Zweck ihres Willens hinwirken soll, welches nur in dem VerhäItnisse zweier existierender Wesen zu einander 
(Seite 578(A107,108) 
geschehen kann (denn ein bloßes Gedankending kann nicht Ursache von irgend einem Erfolg nach Zwecken werden). Nun kennen wir aber, mit aller unserer Erfahrung, kein anderes Wesen, was der Verpflichtung (der aktiven oder passiven) fähig wäre, als bloß den Menschen. Also kann der Mensch sonst keine Pflicht gegen irgend ein Wesen haben, als bloß gegen den Menschen, und, stellt er sich gleichwohl eine solche zu haben vor, so geschieht dieses durch eine Amphibolie der Reflexionsbegriffe und seine vermeinte Pficht gegen andere Wesen (wie gegen Gott ) ist bloß Pflicht gegen sich selbst; zu welchem Mißverstande er dadurch verleitet wird, daß er seine Pflicht in Ansehung anderer Wesen für Pflicht gegen diese Wesen verwechselt. 
Diese vermeinte Pflicht kann nun auf unpersönliche, oder zwar persönliche aber schlechterdings unsichtbare 
(den äußeren Sinnen nicht darzustellende) Gegenstände bezogen werden. - Die erstere (außermenschliche) können der bloße Naturstoff, oder der zur Fortpfanzung organisierte aber empfindungslose, oder der mit Empfindung und Willkür begabte Teil der Natur (Mineralien, Pflanzen, Tiere) sein; die zweite (ühermenschliche) können als geistige Wesen (Engel, Gott) gedacht werden. - Ob zwischen Wesen beider Art und den Menschen ein Pflichtverhältnis, und welches dazwischen statt finde, wird nun gefragt. 

Metaphysik der Sitten, Seite 586 und 587 (A120,121) 

Die Pflicht der Nächstenliebe kann also auch so ausgedrückt werden: sie ist die Pflicht, anderer ihre Zwecke (sofern diese nur nicht unsittlich sind) zu den meinen zu machen; die Pflicht der Achtung meines Nächsten ist in der Maxime enthalten, keinen anderen Menschen bloß als Mittel zu meinen Zwecken abzuwürdigen (nicht zu verlangen, der andere solle sich selbst wegwerfen, um meinem Zwecke zu frönen). Dadurch, daß ich die erstere Pflicht gegen jemand ausübe, verpflichte ich zugleich einen anderen; ich mache mich um ihn verdient. Durch die Beobachtung der letzteren aber verpflichle ich bloß mich selbst, halte mich in meinen Schranken, um dem anderen an dem Werte, den er als Mensch in sich selbst zu setzen befugt ist, nichts zu entziehen. 
VON DER LIEBESPPFLICHT INSBESONDERE 587 
§27 
Die Maxime des Wohlwollens (die praktische Menschenliebe) ist aller Menschen Pflicht gegen einander; man mag diese nun liebenswürdig finden oder nicht, nach dem ethischen Gesetz der Vollkommenheit: Liebe deinen Nebenmenschen als dich selbst. - Denn alles moralisch-praktische VerhäItnis gegen Mnschen ist ein Verhältnis derselben in der Vorstellung der reinen Vernunft, d. i. der freien Handlungen nach Maximen, welche sich zur allgemeinen Gesetzgebung qualifizieren, die also nicht selbstsüchtig (ex solipsismo prodeuntes) sein können. Ich will jedes anderen Wohlwollen (benevolentiam) gegen mich; ich soll also auch gegen jeden anderen wohlwollend sein. Da aber alle andere außer mir nicht alle sein, mithin die Maxime nicht die AlIgemeinheit eines Gesetzes an sich haben würde, welche doch zur Verpflichtung notwendig ist: so wird das Pflichtgesetz des Wohlwollens mich als Objekt desselben im Gebot der praktischen Vernunft mit begreifen : nicht, als ob ich dadurch verbunden würde, mich selbst zu lieben (denn das geschieht ohne das unvermeidlich, und dazu gibt's also keine Verpflichtung), sondern die gesetzgebende Vernunft, welche in ihrer Idee der Menschheit überhaupt die ganze Gattung (mich also mit) einschließt, nicht der Mensch, schließt als allgemeingesetzgebend mich in der Pflicht des wechselseitigen Wohlwollens nach dem Prinzip der Gleichheit alle andere neben mir mit ein, und erlaubt es dir, dir selbst wohlzuwollen, unter der Bedingung, daß du auch jedem anderen wohl willst; weil so allein deine Maxime (des Wohltuns) sich zu einer allgemeinen Gesetzgebung qualifiziert, als worauf alles Pflichtgesetz gegründet ist. 

Denn unabhängig von dem gedanklichen Inhalt, der besonders ab Seite 586 neutestamentlich und in der Logik fast paulinisch ist, erkennt man die christliche Religiösität Kants doch daran, wie er die indirekte Botschaft des Christentums, die das Abendland fast 2000 Jahre eingeübt hat, als selbstverständlich voraussetzt, daß nämlich gerade solche Gefühle wie Glaube, Liebe, Hoffnung, die unser soziales Handeln und Verhalten bestimmen, von den anderen Sinnesempfindungen unterscheidet, denen wir eher schicksalhaft unterworfen sind, wie Kälte, Schmerz, Hunger, Salzig, Hell u.s.w., was in der Geschichte des Abendlandes einerseits zu den Widersprüchlichkeiten und Unarten führte, daß, wenn nun der Mensch für solche Gefühle verantwortlich ist, er ja auch ihnen gegenüber frei ist, so daß man ihm einerseits, dieses oder jenes zu glauben, zu lieben oder zu hoffen dann auch befehlen kann, weswegen man den Menschen dann auch wegen Ungehorsam bestrafen konnte, wenn er etwas anderes glaubte, liebte oder hoffte, als es befohlen - oder allgemein üblich - war, während andererseits diese Freiheit als Bestandteil und Botschaft des Christentum sowohl die schicksalshafte Abhängigkeit beendete, aber am Ende auch zur Beendigung des Mißbrauchs solcher Freiheit führen muß, was unseren Theologen und Philosophen bis heute noch nicht recht aufgegangen ist, was aber von den Nazis nicht anders als von den sozialistischen Ideologen, wie - genau besehen - auch von Anarchisten, Atheisten und selbst Antichristen als heute selbstverständlich immer noch vorausgesetzt wird. 
Das ist ja auch gut so. 
Vereinfacht wäre das z.B. derart illustrierbar: 
Solange ich irgendwo angekettet bin, bin ich unfrei und kann nicht hingehen, wohin ich will. Und so kann mir auch niemand befehlen, irgendwo hinzugehen. 
Erst wenn ich befreit bin, kann ich einerseits tun, was ich will, und bin zumindest mir gegenüber verantwortlich; andererseits kann mir nun ein anderer befehlen, irgendwo hinzugehen oder etwas zu tun, - und zwar durch Erpressung, durch Tricks, durch Überredungen oder Gesetze u.s.w. - und er kann mich ihm gegenüber verantwortlich machen. Ich bin also instrumentalisierbar, weil ich frei bin. 
Die Christianisierung Europas global gesehen - im Unterschied zur jeweils individuellen - verlief jedoch derart, oder sieht so aus, daß der Mensch praktisch erst durch Befehl und Gesetz zu seiner Freiheit und zu seiner Verantwortung für seinen Glauben gezwungen wurde, und zwar durch Kirche und Staat, so als sei er gar nicht erst frei gewesen, sondern als sei er nur von einem Gefängnis, dem ursprünglichen Glauben, zu einem anderen, dem christlichen Glauben übergewechselt oder von einer Religion zur anderen übergewechselt worden. 
Was damit aber, nämlich mit seiner Verantwortlichkeit für Glaube, Liebe, Hoffnung qualitativ als eine grundsätzliche Emanzipation stattfand, wird erst heute langsam einsichtig, und wird aber von Kant noch als ganz selbstverständlich in der Tradition, wie der Pflicht zur Nächstenliebe verteidigt, wobei er nicht einmal die Möglichkeit zu einer solchen thematisiert. 
Denn andererseits steht dort ja der große Topf "Wahrheit", aus dem heraus doch "objektive" Tatsachen mich geradezu zwingen, etwas zu glauben oder nicht zu glauben, etwas zu hoffen, und ist es nicht der bösartige Feind, der mich zwingt, ihn zu hassen oder jedenfalls nicht zu lieben, so daß ich weder frei bin noch daß mir jemand befehlen könnte, dieses zu lieben oder zu glauben. 
So kann man auch heute noch aufgrund unserer christlichen Tradition nicht nur Haß gegen den einen, Liebe für den anderen, Glaube für dies und Unglaube für das befehlen, so daß die Leute auch gehorchen, sondern so kann Haß gegen oder Liebe für, so kann Glaube und Unglaube sogar auch Gegenstand von Mode und Werbung oder Folge reiner Gewohnheit werden. Die Instrumentalisierbarkeit geht jedoch über die Sprache. 
Die Weltkriege waren also mißbrauchte Freiheit oder freiwillige Unfreiheit in diesem Sinne. 
Selbstverständlich steht in meinem Beispiel das Angekettetsein für Aberglaube und ist Aberglaube. In der Anlage ist der Mensch natürlich schon immer frei, dieses oder jenes zu glauben, zu hoffen oder zu lieben. So gibt es z.B. bezüglich einer Handlung oder auch Äußerung immer sehr viele Aspekte zugleich und damit auch ebensoviele Wahrheiten wie auch Möglichkeiten für die nächste Handlung. Der bereits viel zu umfangreiche Brief würde endlos ausufern, wollte ich noch mehr ins Detail gehen. Und selbstverständlich umfaßt dieser Aspekt der "Befreiung" nicht das ganze Geschehen der Christianisierung. 
Zu beachten ist jedoch noch, daß in der direkten oder indirekten Bedeutung bei meinem Beispiel nun die folgenden Unterscheidungen und Wertkriterien ergeben: 
Wahrheit zur Unwahrheit als 
Glaube zu Unglaube und 
Freiheit zur Unfreiheit, wie 
Verantwortlichkeit zur Unverantwortlichkeit und 
Gültigkeit zur Ungültigkeit. 
Denn es ist einsichtig, daß eine determinierte, d.h. zwanghafte Liebe oder Hoffnung, keine echte Liebe und Hoffnung ist, wie auch ein determinierter Glaube kein Glaube sondern eher eine Kette wäre, an dem man einen Ochsen mit einem Ring durch die Nase irgendwohin zwingt. Und der Vergleich Lenins mit der "Religion als Opium fürs Volk" ist in diesem Sinne durchaus nicht abwegig. 
Solche "Freiheit" kollidierte natürlich mit dem logischen Verstand und den unterschiedlichsten, nachweisbaren Determiniertheiten, denen wir Menschen unterliegen, von denen ich später noch bis zu 10 aufzählen werde, wie z.B. die "4" als Lösung der Rechnung "2+2=?" determiniert scheint und nicht einfach frei und willkürlich nach Belieben bestimmt werden könnte. 
Schwering beginnt seinen Aufsatz ja mit dieser Problematik. 
Aber es gibt unter der Anzahl solcher Determiniertheiten in der sog. "Postmodernen Jugendkultur" eine besondere Variante, die für die Beurteilung der Szene von besonderer Bedeutung ist, und die Schwering mehr demonstriert und verteidigt, als daß er sie explizit herausstellt und benennt, ich spreche von dem Glauben an einen "natürlichen gemeinsamen Konsens" aller "richtigen Menschen". 
Kant hatte ich jedoch zitiert, damit Du Dir, - einmal unabhängig vom wortwörtlichen Inhalt - nur an der Art der "Sprachform" die Mischung von Glaube und Rationalität selbst unseres größten Denkers vergegenwärtigen kannst, bei dem, wie ich meine, die Rationalität vom Glauben und von einer Hoffnung praktisch getragen wird, was jedoch als Correlation auch umgekehrt gesehen werden und geschehen kann, wenn es so verstanden wird, - daß also der Glaube von der Rationalität getragen wird. 
Wenn ich dabei folgere, daß sich solches durch die Form der Rede oder durch ein bestimmtes Pathos erkennen läßt, scheint dieses logisch: Denn ich scheine ja nichts anderes vorzuführen, als diese gedruckten Sätze von Kant. Wenn man dieses Formale nun aber an bestimmten Buchstaben, an Wörtern und Wortfolgen quasi empirisch festmachen wollte, wäre man auch schon auf einem Holzweg, denn unsere Kommunikation ist kein Mechanismus oder Automatismus. Denn worauf es mir ankommt ist ja gerade, in der Erinnerung an die Weltkriege das Unheimliche weil eben nicht formal Faßbare aber doch Begründbare der Wirkung zu betonen, die über die Sprache auf den Menschen ausgeübt werden kann. Und worauf ich letztlich hinaus will, ist damit, daß die Entscheidung und Verantwortung letztlich immer bei dem Erkennenden bleibt, und er nur solange dazu in der Lage ist, wie er gegenüber jeder Form frei und unabhängig bleibt. 
Was ich Kant nicht vorwerfe, weil er zu solchen Überlegungen nicht kam, was indirekt aber in seinem aufklärerischen Phatos bereits hindurchklingt, ist der heute in jener "postmodernen" Szene verbreitete Glaube (Aberglaube), als gäbe es für den richtigen Glauben, die richtige Liebe und die richtige Hoffnung und mit allem für die richtige Weltanschauung einen natürlichen gemeinsamen Konsens und - das heißt indirekt nichts anderes als - aller "richtigen", "lebenswerten" Menschen; d.h. worüber man gar nicht erst sprechen, diskutieren oder gar abstimmen bräuchte, wobei der Konsens mit einem sehr diffusen Wissenschaftsverständnis im Sinne von Selbstverständlichkeit einerseits aber auch mit einer modischen Attitüde bis zur befehlsmäßigen Forderung andererseits Allgemeingültigkeit beansprucht, und das heißt mit der sicher unbewußten Konsequenz weiter: daß Andersgläubige dann apriori Unmenschen sind. Das heißt, daß der Mensch eben doch von seiner Natur her also schicksalhaft zu einem bestimmten Glauben, zu einer bestimmten Liebe und Hoffnung bestimmt wäre, - was Schwering teils kritisch zu sehen scheint - wenn er von Spinozischer Lethargie spricht - teils jedoch unkritisch sogar als positiv zu unterstreichen scheint. 
Ich will am Ende des Briefes an selbst erlebten Beispielen beschreiben und verdeutlichen, was solcher Rückfall in den vorchristlichen Aberglauben dann real bedeutet. 
Man wirft mir aus dieser Szene aber selbst von theologischer Seite bezüglich solcher Interpretation vor, daß ich damit etwas ins Christentum hineininterpretiere, was aber nirgends derart geschrieben stünde oder gelehrt würde. Sicher muß man Theologie und Philosophie des Judentums und erst recht die dünn und nur undeutlich überlieferte Lehre Jesu von der nachösterlichen Theologie der Christen unterscheiden, worauf Nietzsche geradezu haßerfüllt hinwies, nämlich als auf den Unterschied von einem "nichtssagenden" Jesus und einem "raffinierten" Paulus - und womit Paulus und die gesamte christliche Apotheose eine Fälschung und "Zurechtbiegung" sei, die nur dem Zweck einer neuerlichen Unterdrückung und Verballhornung des freien menschlichen Geistes diente. Aber selbst dann, wenn man Jesus als eine zufällige "Figur" sieht, an der sich alte und neue Theomanie kristallisierte, wird man gerade mit einer kritischen Abwehrhaltung gegen alle christliche Theologie, Exegese und Apologetik nicht abstreiten können, daß wir es von Abraham an über Jesus aber doch auch bis Paulus und der gewaltigen Geistesarbeit mittelalterlicher Scholastik über den Humanismus bis zur Konfessionalisierung im Grunde in der Essenz immer mit einem Geschehen zu tun haben, und in diesem ist nun mal die Aufforderung zu einem bestimmten Glauben, zu einer Bestimmten Liebe und Hoffnung auch die Beschwörung und Realisierung der Verantwortlichkeit für einen falschen Glauben, eine falsche Liebe und Hoffnung, was mit der Verantwortlichkeit die Freiheit der Entscheidung beinhaltet. 
Es wird bei Schwering nicht ganz klar, ob die Undeutlichkeit und Widersprüchlichkeit seiner theologischen Prämisse nur billige Rhetorik ist, 
(Zitat 1)"Mit der Auslöschung symbolischer Autorität (der des Signifikanten) ercheint dieser in einer entstellten, obszönen Dimension: der des (anti-ödipalen) "Analvaters" (568). In dem Versuch das symbolische Gesetz auf einen theoretischen Diskurs zu reduzieren und damit den "Namen des Vaters" als gesetzgebende und mangelerzeugende Instanz zu neutralisieren, materialisiert sich auch die Erscheinung des "Analvaters", das Auftauchen des "radikalen Bösen". 
mit der nun der abgeschaffte Gott als frauenfeindlicher (anti-ödipalen) Faschismus wiederkehre und man weiter Kirche, Gott, Patriarchat, Faschismus zusammen in einem Topf als das Böse ablehnen und bekämpfen dürfe, was wohl billige Polemik ist, während andererseits Schwering die Schuld am Auftauchen des moralisierenden Exekutors   oder als Ursache (vielleicht auch des Verlustes der Identität?) vielleicht einerseits in der hedonischen Uferlosigkeit des Genießens (von freier Natürlichkeit ?) des (Zitat 1) "opportunistischen Prozessierens im Feld kausaler Abhängigkeiten", nennt, wobei er sicher die "Differenz" als anzustrebende Identität im individuellen Maßhalten (im individuellen Gewissen?) jedenfalls im nicht rein opportunistischen Mitlaufen und Hängenlassen meint. Trotzdem wird ja nicht deutlich, ob er das mehrgenießenwollende Ausufern z.B. den Kindersex oder den Sex mit Kindern, was in den 80ger auf der Fahne der Szene stand, selbst als böse, unerlaubt, unstatthaft oder nur die dadurch hervorgerufene moralische und deswegen nach seiner Lesart "faschistischen" Kritik und Gegenbewegung als den kompromittierten "Fanatismus" meint, was mit dem Maßhalten zu berücksichten sei. Solches Aristotelische Maßhalten wie auch die Identität des Individuums wäre damit als sozial- oder gesellschaftspolitische Strategie aber ungenügend begründet, weil ja immer die Existenz der "bösen" moralisierenden Gegenseite vorausgesetzt wird, der gegenüber sich sowohl Strategie wie dann auch auch die Identät erst manifestieren könnte. 
Aber geradezu unsinnig weil wahrscheinlich undurchdacht und von Schwering mehr geahnt ist die weitere Unstimmigkeit. Er beruft Kant, der natürlich zurecht sagt, daß alle Erkenntnis und Vorstellung, die wir von Gott haben, eben nur Erkenntnis und Vorstellung ist, - dieses gilt natürlich auch von unserem Mitmenschen, von dem wir gleichfalls nur unsere Erkenntnis und Vorstellung besitzen, - wobei aber doch gerade Kant voraussetzt, daß auch alle Naturgesetze uns in gleicher Weise nur als menschliche Erkenntnis und Vorstellung und nicht real gegeben sind, wobei die Schlüssigkeit, die Schwering wie selbstverständlich unterstreicht, 
"'Ich' halte mich nur insoweit für ein autonomes, autarkes Subjekt, als ich dieses Netzwerk (bestehend aus partial-objekthaften Identifikationen und Imitationen), das mich determiniert [...] übersehe und verkenne." (567). Das Subjekt im Sinne Kants - von dem Lacan sagt, daß er 'wahrer' ist als Spinoza, weil dieser zu sorglos mit dem menschlichen Begehren umgehe - als radikal selbstverantwortlicher Handlungsträger erscheint nur noch als anachronistirches Überbleibsel und Spielverderher. Mit dieser Auffassung korreliert die Auszeichnung von Welt als autarkem Mechanismus. 
Warum sollte dieses Netz kausaler Verbindungen realer sein als Gott oder als unser Mitmensch? 
Nun kann man für jede menschliche Handlung (wie auch solche Kriegslust oder Kriegsführung nichts anderes ist) tausend und auch zehntausend Gründe nachweisen, - vom Erbgut der Eltern angefangen, über die Erziehung, über Erlebnisse, Freunde, Laune bis zum guten oder schlechten Schlaf oder Traum oder Zufall, wobei - zusätzlich - die freie Entscheidung natürlich keinen Menschen aus der Verantwortlichkeit entläßt. 

Schwering beginnt sein Statement, indem er die Theorie aufzeigt und kritisiert, als ließe sich eine bestimmte Eigenart der postmodernen Gesellschaft durch eine quasi Spinozische Lethargie aufgrund einer cartesianischen Weltansicht erklären. 
(1. Zitat: Schwering Seite   ) 
»Resultat dieses "neuen Spinozismus" als immanentes Merkmal der Ideologie einer "postindustriellen Konsumgesellschaft" ist z.B der Aufschub sozialer Verbindlichkeiten in ein Netz rein ursächlicher Verknüpfungen. Alle Arten von Handlungen (also auch alle sozial unzulässigen) erscheinen bei entsprechender Kontextualisierung legitimierbar. Jedermann kann sich zum passiven Opfer seiner Lebensumstände oder 'objektiver' Sachzwänge stilisieren.« 
Die idiotische aktive Kriegsbegeisterung, der Fanatismus und Fundamentalismus läßt sich derart aber kaum erklären. Schwering meint zwar auch nicht ausdrücklich die Weltkriege, wenn er von dem inhärenten Bösen solcher Lethargie gegenüber "objektiven Sachzwängen" spricht, aber ganz sicher meint er auch nicht nur die skurilen Frisuren, Stiefel und kriminellen Aktionen einiger Nazirocker, wenn er die vormittelalterlich -mythische Dimension des "Bösen" und eines unheimlichen "Signifikanten" als "Analvater" oder Demiurg im Hintergrund bemüht. Und sein Statement macht auch nicht ganz klar, wie weit er sich solcher Interpretation anschließt, oder wieweit er den bestehenden Diskurs als reine Denkbarkeit nur interpretiert, deren Schwächen er in der Einleitung als mögliche Denkfalle, in die er nicht tappen will, bereits andeutet. 

Karikaturisten wie Grosz machten sich über die Generäle und Kriegsgläubigen als Dummköpfe lustig, man fühlte aber nirgendwo so konsequent wie bei DADA, daß die Problematik dieser Idiotie nur sehr viel grundsätzlicher, noch grundsätzlicher als bei Kafka, Camus, Musil, Broch, Brecht anzugehen war, und zwar als grundsätzlich neu zu verstehendes Verhältnis von Wahrheit und Werten im Zusammenhang mit Form. Und obwohl man Schwering kaum als DADAist bezeichnen würde, liegt der Verdienst seines Aufsatzes, und zwar in dem Teil, den er als seine eigene Theorie aufbaut, daß er die Problematik der "POP-Kultur", und er meint damit auch die "Postmoderne" allgemein, in dem Verhältnis oder Mißverhältnis zu Symbol und Inhalt sieht. 
(2. Zitat Schwering: Seite   )"Während Teile der postmodernen Theoriebildung den Defekt, also die Separation des Subjektes von seiner inneren und äußeren Wahrheit einseitig gewichtet skandieren, hebt dissidente pop- bzw. jugendkulturelle Praxis diese Trennung zwischen dem Symbol und seiner Bedeutung in einem Akt des Mißverstehens auf: "Die Stärke von Pop-Praxis, ein gegebenes und selbst gestaltetes symbolisches Universum so zu beherrschen, als wären dessen Symbole identisch mit ihren Bedeutungen, fußt auf dem produktiven Mißverständnis davon, was sie bedeuten sollen: einer notwendigen Unfähigkeit zwischen der Symbol- bedeutung und seiner Funktion als Symbol untercheiden zu können." 
Da haben wir recht deutlich - wie bei DADA - den unbewältigten alten Universalienstreit thematisiert. Aber Schwering behauptet nur einfach. Er erklärt nicht. Man hat das Gefühl, als folge er einer genialen oder prophetischen Eingebung. Immerhinque. 
Die Logik dieser "Vernunft" aber blieb trotz aller Versuche durch Tzara und vor ihm innerhalb des "Blauen Reiters" insbesondere von Macke aber auch bei DADA recht sprachlos, denn die DADAisten waren leider keine Philosophen. 

(Bis hierhin in Nr. 23 ausgedruckt) 

Erst GEROLD PRAUSS ist heute nach den gemachten Erfahrungen einerseits und wahrscheinlich durch den Komfort elektronischer Textverarbeitung wie durch einen einmaligen Scharfsinn in der Lage, den Irrsinn solcher recht kompliziert gelagerten Widersprüchlichkeiten zu erklären, (Siehe Textauszug am Ende!) worauf ich hinweisen will. 
Dagegen blieb aber die Logik der Unvernunft jener Wertsysteme und Kriege bis heute von teuflischer Ausführlichkeit und Verführbarkeit, sobald man von festen Wahrheiten und Werten ausgeht, als ob deren Karten des gleichen Spiels unter die Kriegsteilnehmer gemischt waren und dann gut bzw. schlecht, falsch oder richtig gegeneinander ausgespielt wurden, worauf Schwering reflektieren läßt. 

Art-Strike, DADA und Leninismus 

Ohne Zweifel ein Denker, saß in der Schweiz wenige Straßen von den DADAisten entfernt der Intellektuelle Lenin (Wladimir Iljitsch) und verstand im Prinzip richtig aber eben einseitig und auf einen einzigen Grund reduziert, daß in diesem Ersten Weltkrieg die Welt und die Menschheit als Objekt verstanden und behandelt und von "bösen hab- und machtgierigen Monarchen und Geldmenschen" mit recht einfachen Sprüchen und Symbolen intelligent mißbraucht werden konnte und wurde, - er übersah aber, warum auch diese Akteure durchaus in gutem Glauben so handelten. 
Lenin, als Enzyklopädist ganz ein Kind der Aufklärung und der Bibliothek, verführt durch das Hegelsche Patentrezept der Dialektik, war dabei im Prinzip aus ganz ähnlichem Grunde wie die "bösen" Kriegsparteien blind für alle durch die Hegelsche Dialektik nur scheinbar erklärbaren Widersprüchlichkeiten der Aufklärung und damit auch blind für DADA, - und das sollte wohl so sein, -. Und trotz der Richtigkeit, und trotz der ungeheueren Breite und Komplexität der „linken" oder sozialistischen Theoriebildung vergangener Jahrhunderte waren die Argumente und entsprechend die "Sprüche" sofort dann in gleicher Weise einseitig; und so wie sie Allgemeingültigkeit beanspruchten und erwarteten, - wie ganz entsprechend die "Sprüche" der Gegenseite dann nicht anders als einseitig wurden, als wäre das Ziel aller Linken und Sozialisten immer nur Armut, Unterdrückung, Versklavung und Folterung der ganzen Welt gewesen. 

Man muß sich dabei den Unterschied nicht nur in der Denkrichtung, sondern auch im Verhalten dieser beiden Erscheinungen wie Leninismus und DADAismus vor Augen halten: Während Lenin das Bessere und Richtigere in einem besseren und richtigeren Ismus als Basis für eine bessere Einsicht, Vernunft und Strategie des Machbaren suchte, wobei er durchaus - schon wegen seiner guten Absicht - die Sympathie der DADisten hatte, war DADA im Gegenteil gegen jederlei Ismus, selbst gegen DADAismus und war gegen jeden Wahrheitsanspruch jedweder Form. Selbst die Sprache war für DADA als feststehende Form ohne selbstverständliche Bedeutung und Gültigkeit. Natürlich stand DADA dabei in der Tradition der Modernen, die sich in der Kunst längst vom Diktat des Formal-Augenscheinlichen und -Selbstverständlichen befreit und eine davon unabhängige Wirklichkeit probiert und erobert hatte. 

Dieser Konflikt mit dem Zusammenhang von Form und Gültigkeit bzw. Wahrheit wird bei der heutigen Diskussion um die Postmoderne erst ganz bewußt und in geradezu aufdringlicher Weise aktuell und zwar als Prozess von oder zur Vernunft und Einsicht - wenn er sich bei DADA auch ganz intuitiv vollzog und bis heute mit allen möglichen und vielleicht anderen Theorien und mehr ästhetischen oder psychologischen Motiven begründet wird, die ja alle auch ihre Richtigkeit haben können. 
Es ist ja das, was wir als Aktualisierung oder Thematisierung dieses Konflikts in der Nachkriegskunst oft als "Verfremdung" oder konkret als Abstrahierung umschreiben, wobei mittels Verfremdung die fragwürdig gewordene Selbstverständlichkeit des Zusammenhangs infrage gestellt oder zumindest als zu bedenken markiert wird, der ungenau, unverstanden oder fälschlich als Zusammenhang von Form und Wahrheit gesehen, gedacht und entsprechend strategisch eingesetzt wird. 
Und warum sollte die - wenn auch philosophische - Diskussion ausgerechnet darüber den Nichtkünstlern vorbehalten bleiben? 
Kunsthistorisch ist die Postmoderne, oder das, was als das "postmoderne Ding" auch soziologisch gemeint ist, ja die Folge oder der nächste Schritt der Modernen, und führt von DADA, - der z.B. im Bertelsmann Lexikon so verstanden wird: 
"eine 1916 begr. internat. pazifist. künstler. Bewegung, die aus Protest gegen die konventionelle bürgerl.-konformist. Kultur eine Hinwendung zum scheinbar Sinnlosen, Läppischen, Nichtssagenden forderte." 
zur Gegenwart, wobei die Bezeichnung "Postmodern" dann im gleichen Lexikon nicht ohne Grund zuerst für eine Kunstrichtung eingeführt und dann folgendermaßen verstanden und dann leicht entsprechend mißverstanden wird: 
"· · · · · Hang zu klass. Monumentalität. Die Radikalisierung des Eklektizismus, etwa bei R. Venturi, leitete über zum Stil der Postmoderne (C. W. Moore, R. A. M. Stern, S. Tigerman, J. Wines, F. O. Gehry). · · · · · " 

Eine recht negative Sicht. 
Denn einerseits sieht man (im Diskurs der allgmeinen Theoriebildung) die Unabhängigkeit der Postmodernen von allen Konventionen, Traditionen, Moralismen und alten Wertstrukturen als Verlust jeder eigenen Identität, und andererseits sieht man sie als Generation reiner Konsumenten und modischer Mitmacher ganz in neuer (eklektischer) Abhängigkeit von alten und neuen Trends, Moden, von Geschäftsleuten, Plattenfirmen, Rundfunk und Fernsehen und deren Produkte, in Abhängigkeit von Schlagzeilen und Werbung als Konsumentenvieh und gerade deswegen ohne eigene Identität. Das wäre ein doppelter Verlust der Identität, - und zwar von den Betroffenen scheinbar als neue Identität empfunden und gelebt. In der Tat wird der Mensch, und nicht anders der Künstler, unter solchen Vorzeichen von Politik und Markt auch behandelt. Von Fall zu Fall verschieden geschieht dieses direkt ohne wertendes Vorzeichen durch die Vermarktung bzw. durch die Vermarktbarkeit als wahrgenommene Machbarkeit selbst. 
Art-Strike ist ja eine Aktion gerade dagegen! 
Oder es geschieht indirekt durch die konservative Gegenreaktion in Elternhaus, Schule, Kirche, Presse, Kulturpolitik u.s.w.,- aus welchen Gründen auch immer - , wobei zugunsten alter Werte und Konventionen, - was Schwering in seinem Vorspann kolonialisierende Ummantlung nennt - , sowohl die Moderne wie erst recht die Postmoderne (als deren übles Resultat) entsprechend negativ den alten Werten und der Kultur überhaupt gegenübergestellt wird.. 

Wie sehr solches aber als Auffassung nur undurchdacht, oder nur reine, vereinfachende Argumentation im Sinne plausibler Sprüche ist, wieweit hinter solcher Vereinfachung und Überzeichnung zugleich nur Besorgnis oder Warnung zu sehen ist, oder, wie ich es meist sehe, Warnung genau vor solcher Vereinfachung, ist sicher von Fall zu Fall je nach Intelligenz, Alter oder nach der Positition der eigenen Interessen oder der Situation solcher Aussage ganz verschieden. Ich will mir die Schilderung im einzelnen ersparen, ob z.B. ein Geschäftsmann, der eine Mode vermarktet, solches mit Verachtung für seine Zielgruppe tut, oder aus Begeisterung für diesen Trend, oder ob es Eltern, Schule u.s.w. um die "Werte", um Sorge für ihre Kinder oder nur um vertraute und funktionierende Ordnungsregularien geht. 
Diese vereinfachte negative Darstellung der Szene, gegen die Schwering angeht, ob solche nun unter Inkaufnahme von mehr oder weniger bewußten Fehlern oder aufgrund von Unverständnis und Irrtümern das Urteil bestimmt, verstellt nicht nur die Sicht auf den positiven Aspekt jener Szene, der auch von Schwering nicht einmal genannt werden konnte, - weil für ihn vielleicht selbstverständlich - , sie verstellt auch die wahre Problematik, die in der Dimension kaum vorstellbar ist, wenn sich das "postmoderne Ding" derart negativ als dominierendes Gesellschaftssystem etablieren würde. Und zwar nicht nur schlimm als Horrorvision der konservativen Gegenseite, sondern durch aus auch im undurchdachten Selbstverständnis, wobei dieser peinliche Nazi-Provinzialismus als die Laus im Pelz oder das eiternde Geschwür am Rande der Szene als einziges Problem geradezu eine Verniedlichung wäre. 
Bevor ich solches Positiv und Negativ skizziere, ist es für mich erst einmal wichtiger, den rein sprachlichen Aspekt solcher unhaltbaren Fokussierung in der obigen Interpretation der Postmodernen zu betonen. 
Das Phänomen der Rhetorik erscheint dabei, - und zwar mit der Modernen, mit DADA und der Postmodernen, - in einer geradezu unheimlichen neuen Bedeutung. "Rhetorik" als die Bezeichnung einmal für eine gute, verständliche oder angenehme, spannende Form der Rede, und dann als Technik oder Trick, den anderen zu überzeugen, zu überreden oder zu betrügen, umreißt dabei nur einen vordergründigen Aspekt; und selbst der wesentlich grundsätzlichere Gedanke von Platon, daß die richtige Formulierung dem wahren Sein des Ideals und damit der Wahrheit am nächsten komme, ist einmal unhaltbar, aber auch dabei noch mehr formaler Natur. 
Wenn man sich nur vergegenwärtigt, daß der Urbegriff, der bei einer Erkenntnis in abhängiger Correlation zur Vorstellung zugleich Strukturbestandteil unseres Bewußtseins ist, wie es Prauss einsichtig entwickelt hat, jedem benutzten wie auch gehörtem bzw. verstandenem Wort zugrunde liegt, dann muß eine Verneinung aller Werte und Gültigkeiten ja geradezu einen horror vacui also Existenzangst auslösen und wie blanker Nihilismus und Zynismus erscheinen und jede Art Charakter, jede soziale Verbindlichkeit und Berechenbarkeit und damit auch den eigenen Wert verneinen und den Menschen zum Konsumentenvieh degradieren. So falsch dies Einseitigkeit auch ist, so verständlich ist es jedoch, daß man dabei von Identitätsverlust spricht und so verständlich sind gewaltsame und selbst martialische Ausbruchsversuche, wo diese falsche Charakterisierung auch von den derart Charakterisierten übernommen wird. 
Denn gehen wir mal von der "geläufigen", "konventionellen", "traditionellen" Vorstellung aus, daß z.B. das Wort "Tisch" nicht nur die (innerhalb einer sozialen Gemeinschaft und Tradition entstandene und gültig gewordene) richtige Bezeichnung für dieses gemeinte Möbelstück ist, sondern daß sich umgekehrt auch die "Wahrheit" dieses Möbelstücks mit dem Wort "Tisch" als richtige Erkenntnis ausdrückt, dann wäre jene Definition der Postmodernen, die ich hier noch einmal in diesem Kasten darstelle, 
Denn einerseits sieht man (im Diskurs der allgmeinen Theoriebildung) die Unabhängigkeit der Postmodernen von allen Konventionen, Traditionen, Moralismen und alten Wertstrukturen als Verlust jeder eigenen Identität, und andererseits sieht man sie als Generation reiner Konsumenten und modischer Mitmacher ganz in neuer Abhängigkeit von Trends, Moden, von Geschäftsleuten, Plattenfirmen, Rundfunk und Fernsehen und deren Produkte, in Abhängigkeit von Schlagzeilen und Werbung als Konsumentenvieh und gerade deswegen ohne eigene Identität. Das wäre ein doppelter Verlust der Identität, - und zwar von den Betroffenen als neue Identität empfunden und gelebt. 
die man sich leicht noch kürzer in einem Wort als die "wahre" Bezeichnung der Postmodernen verdichtet vorstellen kann, wie etwa 
"dekadent", "haltlos", "kulturlos" 
oder ähnlich, ein vernichtendes Urteil, das ja nun nicht ohne Antwort und Gegenreaktion von Seiten des Verurteilten bleibt. Dieses wäre als verkürzte Definition zwar noch immer das Gleiche, als Wort oder Bezeichnung jedoch im konventionellen Wahrheitsanspruch nun etwas neues, und zwar statt Argument nun praktisch die Darstellung des Bezeichneten und zwar nun auch in der Funktion, eine Erkenntnis zu sein. Dann wäre der nächste Schritt als Reaktion auf solche "Definition" von Seiten der Postmodernen, also der Leute aus der Szene, doch derart vorstellbar, einmal sich selbst und dieses stigmatisierende Attribut, nämlich die Dekadenz und Kulturlosigkeit zu rechtfertigen, "Macht kaput, was euch kaput macht!", oder ähnlich nun umgekehrt im Gegenangriff nun Kultur, Glaube, Vertrauen als das konventionelle, konservative Übel und dagegen das eigene Verhalten als Kampf für die Befreiung davon darzustellen, wenn jman nicht einfach zur Opposition wechselt. Es entstehen fundamentalistische Fronten, bei denen nur jeweils verschieden das, was die andere Seite als "Gut" und "Böse" versteht, nun entgegengesetzt, also als das "Böse" und "Gute" vertreten wird, -was im Essay von Schwering überall hindurchschimmert. 
Wie gesagt, versuche ich hier diese Spaltung und Konfrontation zu fundamentalistischen Parteien als einen Vorgang und Teufelskreis zu sehen, der aus der Funktion der Sprache und zwar als einem Mißverständnis von Sprache heraus ingang kommt, wobei die "Wahrheit" der Bezeichnung wie "Dekadenz" ja von beiden Seiten unreflektiert in traditioneller Weise als Bezug von Wort und Wahrheit benutzt würde, wie es bezeichnender Weise in dem so praktischen Bertelsmann Universallexikon für den Computer von 1994! als Definition des Begriffs zu lesen ist und auch das gebräuchliche Allgemeinverständnis davon wiedergibt: 
Der Begriff (ist die) 
Gesamtheit der unveräußerlichen Merkmale einer Sache oder eines Sachverhalts (das Wesen, das Wesentliche, das Allgemeine); die mit einem Wort als gültig gesetzte Einheit dieser Merkmale; der aussagbare, definierte Bedeutungsinhalt eines Wortes. 
Es ist ein Vorgang, den Schwering vielleicht empfindet, wenn er formuliert, daß (eigentlich unstatthaft und nur als "Trick") Funktion und Bedeutung eines Codes gleichgesetzt werden. 

Was im allgemeinen Diskurs, was im Essay von Schwering als Selbstkritik der Szene, und was im ersten oberen Kasten als Definition immerhin erst noch Theorie ist, über die man sich vielleicht noch streiten kann, erhält mit der weiteren Verkürzung zum Wort oder zur Bezeichnung nun Wahrheitsfunktion. Was also in der Theorie noch berechtigte oder unberechtigte Kritik oder ungenaue bis falsche Analyse oder auch nur eine kurze und verkürzte Beschreibung ist, über die man diskutieren kann, wird oder führt mit der weiteren Verkürzung zum Wort dann zu einem (scheinbar) unlösbaren fundamentalistischen Konflikt, und zwar, weil mit der Verkürzung zum Wort die Theorie mit all ihren Fehlern praktisch institutionalisiert und Teil der Sprache wird, womit die Kommunikation abbricht und die Konfronation zementiert wird. 
Obwohl beiden Seiten klar, wenn man statt Theorie nun das Schimpfwort benutzt, wird dabei nicht mehr reflektiert berücksichtigt, daß solche Rhetorik als Verhalten eine Handlung ist, die wir entweder naiv für eine Erkenntnis halten, oder ethisch gesehen, fälschlich für eine Erkenntnis ausgeben. 
Schuldhaft und zu verantworten bedeutet dann die jeweils eigene Reaktion, daß man nicht mehr die Formulierungeiner Ansicht, sondern die Wahrheit selbst als ein rein rhetorisches Problem nimmt. 
Was Schwering nämlich sehr feinsinnig als das "Gleichsetzen von Symbol und Bedeutung" als heimtückische Ursache der Radikalisierung einfach jedoch nur behauptet und in den Raum stellt, was ja die sprachliche Seite des Phänomens meint, wenn wir das Wort als Symbol des Bezeichneten verstehen, können wir ebenso an der globalen Katastrophe des 1. Weltkrieges und an der Situation und Reaktion der DADAisten in ihrem ersten "Cabaret Voltaire" in Zürich beobachten, - wenn wir uns die gesammte Leistung der hochkomplexen Politiks Bismarks mit allen Kriegen und Bündnissen am Ende in dem Begriff "Deutschland" als Wort vereinfacht vorstellen, das dann als "Gesamtheit der unveräußerlichen Merkmale der Sache oder des Sachverhalts (das Wesen, das Wesentliche, das Allgemeine); die mit einem Wort als gültig gesetzte Einheit dieser Merkmale" fundamentale Wahrheit vorgibt, für die oder gegen die es ganz im christlichen Sinne zu sterben lohnt, - was man dem Töten gleichstellen kann. 
An einem mehr unverfänglichen Beispiel wie der Bezeichnung "Tisch" sei dieses verdeutlicht: 
Stell Dir in irgendeiner Vorzeit im Orient eine Diskussion darüber vor, wo man sich seit je her zum Essen zu einer Matte niederläßt, die auf dem Boden liegt und auf der die Schüssel mit den Speisen aufgestellt ist. Jeder bekommt für seinen Platz vielleicht sogar eine eigene Liegematte und ein Kissen. Man ruht sich dabei aus und kann nach dem Essen alles leicht wegräumen und säubern. 
Denke Dir nun die mögliche Diskussion um das Für und Wider, bevor überhaupt ein Wort für diesen künstlich herzustellenden Gegenstand existiert, der nur erst noch Plan oder Theorie ist. 
Jemand meint, man müßte die normale Ebene durch eine Platte oder Tafel ersetzen, die mit Stelzen hochgehalten wird. Diese Stelzen müßten mit der Platte so verbunden werden, daß man den hochgestellten Ort versetzen kann, und zwar genügend fest, daß er nicht wackelt. Die begreifliche Frage, ob man denn nun beim Stehen essen solle, würde beantwortet, daß man dafür auch noch hochgestellte Sitzgelegenheiten herstellen müßte. 
Man kann sich leicht die Argumente der konservativen Gegner dieser Idee vorstellen, die einmal die althergebrachte Tradition als gut, gewohnt und gemütlich verteidigen, und die alle möglichen Argumente gegen die umständliche und technisch schwierige Herstellung solcher Veränderung hervorbringen, während die Befürworter nicht nur die Tradition verlassen oder verraten, sondern auch beleidigen, wenn sie z.B. argumentieren, beim Essen nicht mehr die Schweißfüße der anderen riechen zu wollen, daß dann nicht mehr so einfach Käfer, Spinnen, Hunde und andere Tiere zwischen den Speisen herumlaufen, und daß nicht jeder Luftzug sofort Sand ins Essen weht, daß man sich auf dem Boden leicht erkältet und Rheuma bekommt, u.s.w., worauf die Gegenseite in gleicher Weise beleidigend, den Neuerern vielleicht vorwerfen könnte, sich vor dem Essen nicht mehr die Füße waschen zu wollen und daß ihr Haus voller Ungeziefer sei u.s.w.. 
Natürlich ist es in diesem Beispiel schließlich zuerst die Realisierung, mit der aus der Theorie Wirklichkeit und wodurch dann die verschiedenen Argumente sich in dem Wort "Tisch" scheinbar verdichten und verschmelzen, was man jedoch nun in ganz anderer Weise sich entweder anschaffen kann oder nicht, aus welchen Gründen auch immer. 
Das Ding hat nun ein Aussehen und einen Namen 
Die Diskussion um das Für und Wider, wo sie dann überhaupt noch stattfindet, erhält mit diesem Begriff "Tisch" jedoch eine quasi fundamentalistische Struktur, wobei mit "Fundament" dieser Begriff nach Bertelsmann als "Gesamtheit der unveräußerlichen Merkmale der Sache oder des Sachverhalts (das Wesen, das Wesentliche, das Allgemeine); die mit einem Wort als gültig gesetzte Einheit dieser Merkmale" gemeint ist, und nicht mehr die fertigen oder halbfertigen, die richtigen oder unrichtigen Gedanken und Argumente der vorbegrifflichen Situation. 
Was mit dieser Veränderung von der Theorie oder dem Diskurs zum Wort nun aber in gefährlicher Weise fundamental anders wird, beruht auf einem allgemein üblich bestehenden, nämlich heimtückisch verborgenen Mißverständnis, das durch eine Definition, wie bei Bertelsmann, nur noch gefördert wird, als wäre nun die verwirklichte Idee als erkennbarer Gegenstand, als die Wirklichkeit selbst der sichtbare empirische Beweis für die Wahrheit, die nun von beiden Parteien positiv oder negativ "Tisch" genannt wird, die nun jede Seite für sich in Anspruch nimmt. 
Auf solcher Disposition fußen im Grunde alle empirischen Wissenschaften, und zwar solange und nur dann berechtigt, wenn diese Position als eine operationale genommen und in der Gültigkeit entsprechend eingeschränkt wird, wenn man also nicht von der daraus resultierenden Wissenschaftlichkeit als einer absoluten Wahrheit der Außenwelt ausgeht, als ob sie an diesem Gegenstand bestünde, worauf sich die cartesianische Aufklärung stützte. 
Denn wie die vorherige Theorie und Idee ist letztlich auch der Tisch, den wir ja nicht im Original als Gegenstand im Kopf haben, sondern den wir nur wahrnehmen, als Erkenntnis nur  ebensolche geistigen Form, wie die Theorien vor der Konstruktion des Tisches. 
Trotzdem hat sich mit dem Schritt von der Theorie und Diskussion zum Begriff neben der irrtümlich angenommenen natürlich auch eine tatsächliche Veränderung ergeben. Denn ich erkenne nun "Tisch" mittels Begriff und Vorstellung unmittelbar und bin dabei ja nicht mehr in der Diskussion ums "Für" und "Wider" irgendwelcher Theorien. Als jeweiliges Wort für die Erkenntnis "Das ist ein Tisch." gehört "Tisch", "Table", "Mensa" u.s.w. nun zur gemeinsamen regionalen Sprache, und als Begriff in Correlation zur Vorstellung nun zur Struktur unserer Erkenntnis wie unseres Bewußtsein. Und dieses hat in der Tat nun Folgen auch für den sozialen Gültigkeitsanspruch, auf die ich gleich komme. 
Aber erst die Vermischung der irrtümlich angenommenen mit der tatsächlichen Veränderung führt letztlich zu den katastrophalen Fehlleistungen, die immer damit beginnen, daß der Dialog abbricht. 
Was hierbei sehr abstrakt und kompliziert ist, äußert sich dann leider nicht immer in nur harmlosen, sehr komischen Resultaten, an denen dieser innere Vorgang kaum mehr zu erkennen ist, wenn z.B. die falsche Aussage eines Bußfahrers durch die sichtbare Uniform als Kompetenznachweis selbst von solchen Leuten als richtig akzeptiert wird, die in jener Gegend geboren sind und den Weg in der Tat besser kennen, und die sich dann wegen ihrer "geringeren" weil zivilen Kompetenzform nicht mehr trauen, die bessere Einsicht vorzutragen. 
Quasi paralysiert sind in der Situation, und zwar durch die Funktion oder Wirkung der Uniform, was eben auch durch ein Wort geschehen kann, nicht nur die zivilen Fahrgäste des angeführten Beispieles, sondern auch der Uniformierte selbst, und beide Parteien nicht nur unmittelbar, sondern dann auch noch durch die Rückkopplungseffekte. Wie wichtig die bewußte Reflektion solcher Situationen ist, die wir überall in allen möglichen Lebensumständen täglich erleben, wird einem klar, wenn man sich dabei bewußt macht, daß dieser rein sprachliche Effekt ein hochpolitisches Phänomen ist, daß fundamentalistische Kriege wie in Indien, Tschetschenien, Irrland, Jugoslawien, Naher Osten und Afrika durch solchen Kommunikationsdefekt sowohl ausgelöst wie auch bewußt inszeniert sein können, - aber vor allen Dingen, sich von dort her zementieren. 
Man muß unterscheiden, was mit solchem Symbol, Code, Wort oder Uniform oder "Tisch" dann richtig und was daran provinziell eben nur für die Provinz richtig, aber darüber hinaus dann geradezu falsch würde; wenn z.B. in England jemand einem Kind sagt, daß jener Gegenstand "Tisch" und nicht "Table" heißt, wenn er sich eine andere als deutsche Sprache nicht vorstellen kann oder will, was zurecht den Einspruch der Eltern hervorrufen würde. Dieses scheint offenbar nur einfach und plausibel zu sein. 
Diese Differenz wird von Schwering aber nicht weiter sprachlich von dem Unterschied der Funktion einer Theorie zu der neuen (oder anderen) Funktion beschrieben, die am Ende das Symbol, der Code oder das Wort hat, sondern er geht von der Position des Soziologen aus, von einer "neuen" seperaten Sozialisation der Szene, die innerhalb oder außerhalb der Gesellschaft oder auch gegen sie besteht, wobei er eigentlich alles, was nicht dazugehört, als "Rest" (Zitat 4) bezeichnet, ohne dieses in Anführungsstriche zu setzen. Das wäre natürlich Unsinn, was er unübersehbar mit dem ganzen Aufsatz als Fehleinschätzung, als unhaltbaren Traum  richtigstellen will, als Warnung, daß dieses "appelativ aufrechterhaltene Feld", "dieser Hegemonialbereich"(Zitat 3 und 7)  mehr als "phantasmatische Sicherheit" ist, als eine zu beendende Illusion, und zwar durch Einsicht, weil er wohl nicht den Elan der Unbescheidenheit dämpfen will. Er nimmt dafür etwas Widersprüchlichkeit inkauf. Vom Gedankenfluß her sieht er dabei auf die "Gedißten", die Unechten, die Geächteten, denen der Zugang und die Kompetenz zur Szene abgesprochen würde, (Zitat 4) 
Mit diesem Vorgang stillschweigend verknüpft ist die Annahme/Forderung, daß sich die Diskursteilnehmer nach ihrem Beitritt als kompetent erweisen, d.h. sich einer makellosen Verwaltung und Wiedergabe des Codes verpflichtet fühlen: In diesem Sinne falsches Bewußtsein wird als vorgespiegelte Authentizität (Posing) aufgefaßt und gedisst.  Hier aber liegt auch die folgenschwere Konsequenz des »produktiven Mißverständnisses«: Der Versuch sich gegenüber der Differenz des Ausgesagten 'blind' zu machen, impliziert die Gefahr einer Wiederkehr des ausgeklammerten Restes, der dann als destruktives Mehr-Genießen auftaucht. 
als könne nun der Teufel (oder was auch immer) die Ausgestoßenen benutzen, um das "unvorstellbar" Böse ins Spiel zu bringen, - das natürlich nur bei den anderen und nicht innerhalb der gerechten Tafelrunde möglich ist. 
Schwering tastet sich deswegen nur mit Andeutungen an einem Bereich entlang, der ins Grundsätzlichere und ins Philosophische führt und sowohl den Rahmen des Essays sprengen wie vielleicht auch die Bereitschaft jener Szene überfordern würde, ihm zu folgen. 
Widersprüchlichkeit muß Schwering deswegen auch zur anderen Seite hin inkauf nehmen, die im Wesen der Sache selbst liegen, wenn er einerseits nur bei Andeutungen bleibt, was nämlich jene Symbole oder Codes sind und wofür sie stehen, nur daß "etwas mehr als Nation gefordert" wird, was er anfangs noch vorsichtig als "generelle Opposition" - nicht zur normalen Gesellschaft, sondern - "zur rechtsradikalen Praxis" (Zitat 5) bezeichnet, während er dann zum Schluß "die Opposition" quasi gegen alles andere, also gegen alle außerhalb der Rockszene bestehenden "maroden Realitätsmodelle" (Zitat 9) zu plädieren scheint. 
Die vertrakte Identitätsfrage, die ohnehin eine Sackgasse ist, wenn man eine Identität wie einen Gegenstand objektivieren, d.h. sehen und wahrnehmen und dafür dann gegen andere Identitäten einerseits abgrenzen müßte, um sie überhaupt als real und womöglich erst dann auch als daseinsberechtigt anerkennen zu können, und bei der er andererseits kriminologisch die Identität als Produkt der Eltern und der Umwelt oder Gesellschaft u.s.w. verfehlen muß, sei ihm wegen der schönen Würdigung und Interpretation des Gedichtes von Jandl verziehen, wenn er den Sessel wie selbst die Geburt, den Körper und alle sozialbiographischen Daten nicht zugleich das bleiben läßt, was sie sind, nämlich als Folge seiner selbst als hinterlassene Spuren und nicht er selbst, als wolle der Polizist die Spur verhaften, als sei die Identität das Produkt ihrer Spur und nicht umgekehrt, wobei Selbst- oder Fremdbestimmung natürlich eine wichtige, aber nicht die Identitätsfrage sein würden, was aber Schwering wohl hindert, das Naheliegende und indirekt ja längst angedeutete zumindest noch anzusprechen, was ihn nämlich zu dieser Widersprüchlichkeit am Ende veranlaßt, wenn er anfangs das Übersehen des "Restes" (Zitat 4) außerhalb der Szene als Fehlverhalten und fast als eigene (?) Kehrseite und Schuld zu bedenken gibt und diesen Rest dann am Ende als marodes Relikt zur Ablösung (durch Rocker?) freigibt, was ja nichts anderes heißt, als die "Szene" als Alternativmodell zu sehen einerseits und andererseits auch über den Rest der Welt den Alleinherrschaftsanspruch ausrufen, - oder einen solchen zu bestätigen. 
Hiermit bekommen wir die neue Dimension des Rhetorischen ins Blickfeld, und zwar die unserer Tage, d.h. der 3. Jahrtausendwende. 
Wie bereits mit der cartesianischen "Aufklärung", als man irrtümlich glaubte, eine Form universaler Wahrheit in der Hand und damit praktisch zur Verfügung zu haben, liegt es ja auch heute mit der glücklichen Wende der politischen Situation und "traditionsgemäß" wie zur vergangenen Jahrtausendwende natürlich nahe, über Weltmodelle nachzudenken. 
Von der "Französischen Revolution" bekamen wir denn auch den Begriff "Provinzialismus", der ursprünglich von der Metropole Paris aus gesehen das zurückgebliebene Hinterland der Hinterwäldler und dann mit der "Aufklärung" deren oder überhaupt Unwissenschaftlichkeit meinte; aber seither sich als Bedeutung in die Richtung veränderte, wenn sich Begrenztheit oder begrenzte Gültigkeit aus Unkenntnis, Dummheit, Verbohrtheit u.s.w. für Allgemeingültig hält. D.h.: Die Veränderung der Bedeutung geht dahin, daß nicht mehr die Provinzen samt ihren Sprachen, Regeln und Codes also abseits von Paris oder New York als provinziell gesehen werden, sondern wo sie sich fälschlich für universal, allgemeingültig oder für universalisierbar halten. Und damit ist durchaus nicht die Unbescheidenheit gemeint sondern im Gegenteil: Als Symphatisant und Kind der "Aufklärung" und Christ forderte Kant mit seinem kategorischen Imperativ, »Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.« geradezu jeden Privatmenschen auf, auch die alltäglichen Handlungen unter dem Aspekt der Universalisierbarkeit abzuwägen, was im positiven nichts anderes ist, als auch die eigene Universalisierbarkeit auch zu behaupten, zu vertreten oder zu demonstrieren. Und der Schmelztiegel zu einer praktikablen, vernünftig-friedlichen Weltgemeinschaft ist damit zugleich das Fegefeuer, das ja nun nicht die Provinzen, Individuen und (meinetwegen) ihre Identitäten und ihre jeweiligen Gültigkeiten hinwegfegt, sondern als Schlacke nur den Provinzialismus an die peinlich sichtbare Oberfläche bringt, was zu bedenken aber genau das andere ist, als seinen Provinzialismus der Welt aufdrücken zu wollen, was der Aristotelesschüler Alexander, was Cäsar, was Napoleon, was Dutsche und Hitler versuchten. 
Und wenn Schwering Clara Drechsler zitiert: »Skinheads sind eigentlich Weltverbesserer, wir merken das nur nicht, weil wir uns nicht vorstellen können, was manche Leute für Verbesserung halten.", macht er, wie in seinem ganzen verdienstvollen Aufsatz, auf die böse Kehrseite solcher Unbescheidenheit ja aufmerksam. 
Was in restriktiver Warnung in allen großen Religionen seit je als Formel und als 

Natürlich kann und soll man die Ablösung bestehender "Realitätsmodelle" als die Überwindung von fundamentalistischem Provinzialismus, von fundamentalistischem Nationalismus, von Kleinstaaterei als etwas Positives sehen. 
Es ist deswegen auch richtig von Schwering, die Identität des Begrenzten wegen des Begrenztseins in der Differenz zu sehen. "Tisch" ist Wort und Code für die Deutschen. Geburtsort Aber es ist die Identität der Provinz. "Nicht identische Identität" kann dann bei Schwering nur heißen, daß man das Wort "Tisch" eben nicht fundamentalistisch auch zu seiner eigenen Identität macht, sondern auch anderes und andere Sprachen für möglich und gültig hält, ohne aber dabei gegenüber dieser Sprache einen "objektiven, exklusiven Rang zu beanspruchen". (Zitat 8) Wenn die bayrische Tracht oder Kluft einesMan muß und kann sich an die Regeln halten. Denn in welcher Sprache der Sessel oder Passport auch beschriftet, ist die Identität von Jandl davon verschieden. 
Aber eine Welt aus Provinzen schließt gerade deswegen Identität nicht aus. 
Mit dem neuen Blick auf Universelle aber, aber nur soweit wie es unsere Erde und die menschliche Wesenheit betrifft, 

Kindische Selbstgerechtigkeit und Weltherrschaftsträume sind natürlich die eigentlichen Makel (Zitat 4) und nicht die begrenzte Gültigkeit jener Codes und Symbole der Rockszene. 
 

Natürlich frage ich mich an dieser Stelle, wie Ihr OSSIS kurz nach der Maueröffnung das allgemeine Treiben im Westen empfinden mußtet, was hier als die Postmoderne diskutiert wird - (mal abgesehen von der sicher nervenden Penetranz, mit der jeder WESSI den kleinen "Gültigkeitsvorsprung" als Überlegenheit auskostete,) - ; sicher haben die WESSIS einen ordentlichen Schub an Selbstvertrauen gewonnen, - und genaugenommen, wenn wir uns die oft komischen Eitelkeiten und Verletzungen verzeihen, haben beide Seiten gewonnen. Ganz aktuell war das Ereignis sicher ein Erlebnis außerhalb unseres Themas; es sei denn, daß man vom Osten her unsere Probleme mit etwas mehr Abstand und Sachlichkeit sehen und beurteilen könnte. 
Falsch jedenfalls wäre die Vorstellung, als hättet ihr bis zur Wende auf oder hinter dem Mond und damit ohne Bezug zur übrigen Welt gelebt und würdet erst jetzt mit dieser Problematik des "Westen" konfrontiert, denn schließlich wurde die Welt, und besonders die Welt im Westen, gerade durch den sozialistischen Osten so grundsätzlich verändert, wie es sich Marx und Lenin wohl nie hätten träumen lassen. Für mich ist es noch fast Gegenwart, als die einstigen Kolonien in Asien und Afrika zähneknirschend in die Freiheit entlassen wurden, was ihnen ohne die ganz praktische aber auch ohne die moralische Unterstützung durch die UDSSR und die DDR kaum freiwillig zugestanden worden wäre. Aber auch das einverständliche Verhältnis der westlichen Länder untereinander wie auch die soziale Marktwirtschaft in den europäischen Ländern, wurde indirekt durch die "Gefahr der sozialistischen Alternative" vom Osten her, - wenn auch direkt unter der Vormundschaft der USA geschmiedet. 

Die gängigen konformen und nonkonformen Sprüche waren auf beiden Seiten im Osten natürlich verschieden von denen im Westen, und leider bin ich nicht in der Lage, - und es würde hier auch zu weit führen, - sie inhaltlich zu vergleichen. In der Funktion - und zwar als Wahrheitsanspruch - waren sie natürlich gleich. 

Ich mußte jetzt gerade einen langen Brief an eine recht einfache, ältere Frau von fast 80 Jahren schreiben, die aus einer kleinen Freikirche, der Sekte der "Zeugen Jehovas", herausgeschmissen worden war, weil sie gewagt hatte, allzu eigene Ansichten zu äußern, und (mir) nun im Begriff schien, von einer anderen, schlimmeren Sekte eingefangen zu werden und die mich um meine Meinung gefragt hatte, und der ich aus diesem Grunde das recht komplizierte Verhältnis von Form und Inhalt in einer Religion auseinandersetzen mußte, und der ich damit zugleich zu zeigen versuchte, wie leicht sich die üblesten Machenschaften hinter frommen Formen als Inhalte verkleidet verstecken lassen - (was mir allerdings wohl kaum richtig gelungen ist, weil mir das ganze Problem erst mit diesem Brief richtig klar wurde), und ich mußte in einer einfachen Sprache sprechen. Aber das ist recht umständlich, und man braucht mehr Seiten. - Allerdings auch Übung und guten Willen. Es gibt für diese komplizierten Strukturen sowohl bei den "Zeugen Jehovas" wie auch in den großen, alten Kirchen natürlich gebräuchliche Sprüche, Sentenzen, Sprachregelungen, die oft langsam über Jahrhunderte entstanden sind und oft mühsam erarbeitet und manchmal sogar erst nach hohem, kaiserlichen Entscheid gültig wurden, und es gibt solche Sprüche natürlich auch von den jeweiligen Gegnern, die jedoch als feststehende, geläufigen Redewendungen, mit denen man ganz einfach, kurz und bündig andeuten kann, was man meint, wozu man gehört oder gehören möchte, kaum den gedanklichen Inhalt und erst recht nicht die inhaltliche Schwierigkeit und noch viel weniger die Wirkung auf den Menschen deutlich machen, sondern im Gegenteil als Vereinfachungen und Schlagwörter wie Knüppel oder Parolen einen kommunikativen Trennungsstrich bedeuten können. 
Man muß sich fragen, wieweit langsam gewachsene Religionen überhaupt aus solchen Sprüchen bestehen, die dann gerade in der Wahrheitsaussage dann gegeneinander als Bekenntnis einer Zugehörigkeit die Diskussion miteinander verhindern und eine reine Abgrenzungsfunktion ausüben, - oft genug gerade gegen den jeweiligen Inhalt. 

Vereinfacht: 

 
Die Komplexität aus der praktisch endlosen Zahl von Einzelaspekten, die sich als weitere Schwierigkeit aufzuhäufen droht, vereinfacht sich, wenn Du bei allem im Auge hast, wie aus Erkenntnissen und Theorien und Statements zuerst Sprüche und dann Universalien, Wörter und Symbole werden, wobei sich die gesellschaftliche Funktion der beiden Aspekte 

Wahrheitsanspruch zu Wahrheitserwartung 
Gültigkeitsanspruch zu Gültigkeitserwartung 
aufgrund der Form entsprechend ändert, ob eine Aussage eine persönliche Rede, eine private Theorie, eine öffentliche Nachricht, ein öffentlicher Komentar oder eine Proklamation oder eine gängige Parole, ein Spruch oder ob es ein Wort ist als lobende oder beschimpfende oder aber nur als rein definierende Bezeichnung ist. 
Und dieses trifft, bis heute kaum als Aspekt der Kunst berücksichtigt, in ähnlicher Weise auch auf Kunstwerke zu, die neben der Darstellung mit ihrer Darstellungsform auch als Wahrheits- oder Gültigkeitsanspruch eine Wirkung ausüben, - und zwar mit der "modernen" Konsequenz, daß man dieses als Mittel bewußt für seine Zwecke einsetzen kann, solange zumindest, wie die entsprechende Wahrheits- oder Gültigkeitserwartung gegenüber solcher künstlichen Form unreflektiert, d.h. gutgläubig naiv oder gehorsam ist. 
Dies hat mit der originären Wahrheitsvorstellung natürlich wenig zu tun, sondern gehört zur rhetorischen bzw. illokutionären Funktion der Sprache. Mit Illokution bezeichnet man die Wirkung, die durch Sprache ausgeübt wird. So weist das Wort »cartesianisch« zwar auf den Philosophen Descartes, meint jedoch den von ihm ausgelösten modisch-populistischen und unhaltbaren Materialismus, der sich ganz zu Unrecht auf Descartes berief, der sich dann z.B. in dem geläufigen Spruch wiederfindet:"Ich glaube, daß ½ Pfund Rindfleisch eine gute Suppe gibt." 
In solcher permanenten Entwicklung von der Theorie zum Begriff zeigt sich ein Uroborus, der sich immer weiter und immer wieder selbst vom Schwanz her auffrißt und verdaut, denn mit neuen Wörtern entstehen neue Theorien, neue Sprüche und neue Wörter und Symbole, mit deren immer differenzierterer Reflexion als Intension natürlich die Chance auch für eine immer wachsende Vernunft besteht; wobei andererseits unbewältigte Probleme und Scheinlösungen endlos mitgeschleppt und verschüttet und somit als Fehler immer wieder gedacht und gemacht werden, so daß es schon einer Prausschen Engelsgeduld bedarf verbunden mit genialem Scharfsinn, um solche Fehler in den scheinbar einfachen und scheinbar wahren Sprüchen und Begriffen aufzuzeigen. 
Man kann mit dem Konzept einer solchen Spirale, - Uroboros verändert sich natürlich ständig und ist kein Kreislauf, - vielleicht ein System herausfinden. Wahrheits- oder Gültigkeitsanspruch wie Wahrheits- oder Gültigkeitserwartung, - und zwar ganz unabhängig von solchen Denkfehlern - in der Entwicklung vom privaten Gedanken und Gespräch zur Theorie, von dieser zur Lehre und proklamierten Wahrheit, dann zum gläubig mitgemachten Ismus, zur Mode bis zum "Spruch" und dann zum Wort und von dort zur neuen Theorie ist auf jeder Stufe von unterschiedlicher Qualität und reicht vom Irrsinn einer menschlichen Meute bis zur lockeren Gültigkeit einer Mode, was ich bezüglich postmoderner Sprüche und Denkschemen noch veranschaulichen werde. Die Vorstellung, die bei der Lektüre des genialen Aristoteles z.B. entstehen konnte, als sprudelten die Worte mit unseren Gedanken nur so einfach hervor , ist z.B. so eine 

(Fußnote 11:  Aristoteles: Organon 2, 1. Kapitel, Seite 1 (16a)Zuerst müssen wir feststellen, was Nomen und was Verbum, dann, was Verneinung, Bejahung, Aussage und Rede ist ').Es sind also die Laute, zu denen die Stimme gebildet wird, Zeichen der in der Seele hervorgerufenen Vorstellungen und die Schrift ist wieder ein Zeichen der Laute. Und wie nicht alle dieselbe Schrift haben, so sind auch die Laute nicht bei allen dieselben. Was aber durch beide an erster Stelle angezeigt wird, die einfachen seelischen Vorstellun- gen, sind bei allen Menschen dieselben, und ebenso sind es die Dinge, deren Abbilder die Vorstellungen sind. Doch hiervon haben wir, da es eine anden Disziplin angeht, in den Büchern von der Seele gehandelt. Wie aber die Gedanken in der Seele bald auftreten, ohne wahr oder falsch zu sein, bald so, daß sie notwendig eins von beiden sind, so geschieht es auch in der Rede. Denn Falschheit und Wahrheit ist an Verbindung und Trennung der Vorstellungen geknüpft. Die Nomina und Verba für sich allein gleichen nun dem Gedanken ohne Verbindung und Trennung, wie z. B. das Wort Mensch oder weiß, wenn man sonst nichts hinzusetzt: Hier gibt es noch nicht Irrtum und Wahrheit. Dafür haben wir  einen Anhaltspunkt z. B. an dem Wort Tragelaphos (Bockhirsch): es bedeutet zwar etwas aber doch nichts Wahres oder Falsches, solange man nicht hinzusetzt, daß das Ding ist oder nicht ist, schlechthin oder zu einer bestimmten Zeit. )
 
 
Ungenauigkeit, als denke der Mensch in Sprache, was als Denkfehler selbst von zeitgenössischen großen Philosophen wie selbstverständlich übernommen wird.
Wir würden dabei mehr als das Tausendfache pro Sekunde sprechen müssen, als wir es ohnehin tun, und keine Zunge würde dieses physisch schaffen. Trotzdem geht aber natürlich eine Theorie, ein Fanatismus oder auch ein Wort, wie jede Behauptung, die nicht eine bewußte Lüge oder nur Rhetorik ist, (soweit man auch dabei von einer nur rein strategischen Aussage sprechen darf), letztlich auf eine Erkenntnis zurück, und zwar um so mehr, je ehrlicher der entsprechende Mensch ist. Und so ist es eine Tragik einerseits, daß ausgerechnet die ehrlichen und redlichsten Menschen, in gutem vertrauensseligem Glauben durch solche Form von Gültigkeits- als Wahrheitserwartung verführt Opfer von solchen versteckten Denkfehlern werden, die in Worten, Sprüchen und Theorien tief vergraben liegen, andererseits sind es gerade solche Denkfehler, die die verbreitete und sehr verbreitet praktizierte Unsitte verstärken, als sei Wahrheit und Richtigkeit ein rein rhetorisches Problem, weil man gerade wegen solcher inhärenten Denkfehler in Lehren, Sprüchen und Worten mit "Sprüchen" die Wahrheit in verblüffender Weise totschlagen oder mundtot machen oder ganz strategisch für die eigenen Ziele einspannen kann.
Als Beispiel dient mir oft die folgende Anekdote: Als im Dreißigjährigen Krieg fast 2/3 der deutschen Bevölkerung unter grausigsten Umständen Tod und Armut erlitten, diskutierten die Theologen über das Problem, wieviele Engel auf einer Nadelspitze Platz hätten; dieses Thema erscheint angesichts des endlosen Krieges selbst heute noch absurd, wie es absurd scheinen könnte, die Kunst von DADA in einem schicklichen Verhältnis zum Ersten Weltkrieg zu sehen; aber wie DADA zum Ersten Weltkrieg waren auch die Theologen damals dem Problem der Ursache des Krieges durchaus näher, als Kaiser, Wallenstein und Tilly mit ihren strategischen Überlegungen, und auch einer Lösung, - die sich aber erst in unserer Gegenwart abzeichnet; und desgleichen diese Künstler, wie ich aufzeigen will. Wie weit nämlich jene Theologen und DADA wie auch Schwering in seinem Statement in gleicher Weise - wenn auch alle mehr intuitiv und vielleicht in alchimistischer Zufälligkeit - dem eigentlichen Problem und dessen Lösung näher waren als Marxs, Lenin, Kaiser und alle Hurrapatrioten und Strategen der Kriege, wenn man diese Kriege als Folge verhängsvoller Denkfehler sehen will, zeigt sich eben nur, wenn man den Gedanken auf die Erkenntnis zurückführt, und den Fehlschluß auf einen Erkenntnisfehler.
Den guten Aristoteles habe ich zitiert, weil er als gemeinsamer Lehrer christlicher und islamischer Theologen und Traditionen mit seiner Disposition auch die Dispositionen beidseitiger Fundamentalismen lieferte, die in der christlichen Welt hauptsächlich durch den Fundamentalismus eines empiristischen Materialismus und im Islam die Gegenposition aufrecht erhält, als könne und solle mit Wissenschaft und Rationalität der Glaube an Gott widerlegt und beseitigt werden.
Sehr deutlich und einsichtig wird dies, wie sehr nämlich der islamische Fundamentalismus mit der postmodernen Subkultur korreliert, wenn Du die folgende Polemik des Abd al Qadir as-Sufi mal durchliest, die auch von den "Zeugen Jehovas" stammen könnte:

Abd al Qadir as-Sufi, Totenbuch des Islam, Seite 17-18

"Die schützende Einnebelung (durch Wissenschaftlichkeit) in ein Gebaren, das auf einfallsreiche Weise Einfühlungsvermögen vorspiegelt, wird es dem Mißtrauischen verwehren, das anthropologische Vorgehen als den destruktiven Prozeß zu erkennen, den es tatsächlich darstellt. Die Anthropologie, in sich ein zutiefst anti-existentieller Prozeß, ist im Grunde die Pseudo-Wissenschaft, die man benutzt, um unsere gegenwärtige technologische Gesellschaft über Wasser zu halten und sie mit einem Schutzschild der Geschichtlichkeit zu umgeben, indem man mit ihr die Evolutionstheorie nicht nur auf biologischer, sondern auch auf historischer und sozialer Ebene «beweist«. Anthropologie ist nicht die Sammlung der Erkenntnisse dieser Pseudo-Wissenschaft, sondern die Methode selbst. Man versteht sie deshalb besser, wenn man sie als unechte Religion ansieht. Ihre Priesterschaft sind die Experten, ihre Tempel sind die Universitäten, ihr Bekenntnis ist der »Fortschritt«, ihr Glaube ist utopisch, und ihr erklärter Feind ist die Weisheit. Dieses total irreführende, wenn auch brillant ausgeklügelte System von Einbildungen hat Millionen von gebildeten Muslimen ganz zu schweigen von den aufrichtig Wissensdurstigen unter den Kafirun (Ungläubigen, Mehrzahl von "Kafir") den Zugang zu dem großen Gebäude der Weisheitsbücher des Islam versperrt. Es ist bezeichnend, daß nach zwei Jahrhunderten der akademischen Forschung von Kafir-Gelehrten und »Orientalisten« nicht eine der großen Sammlungen von Hadithen oder aufgezeichneten Aussprüchen und Taten des Gesandten Mohammed, der Friede und Segen Allahs seien mit ihm, in eine europäische Sprache übersetzt war. Und doch ist ein Gebäude »fundierter« Studien von europäischen Juden und christlichen Gelehrten zustande gekommen, die der akademischen Welt erklären, sie hätten diese Werke un-
 tersucht und als unhaltbar zurückgewiesen. Erst seit kurzem wird auch das Werk europäischer und amerikanischer Gelehrter der kritischen Prozedur von Auswahl und Zurückweisung
 unterworfen, der die Muslime selbst ihre Schriften unterwarfen, bevor sie diese als annehmbar erklärten. Tatsächlich ist die Sichtung, Zuordnung und Auswahl der großen Zahl von Hadithen wahrscheinlich die größte Leistung in der Geschichte des Gelehrtentums.
 Ist die vollständige Zerstörung des Islam als organisches gesellschaftliches Phänomen der Tatsache zuzuschreiben, daß Kafir-Kolonialherren den besiegten und unterdrückten Muslimen ihre eigenen sozialen und politischen Strukturen aufzwängten, so sind für die beinahe vollständige Ausrottung der existentiellen Manifestation also des muslimischen Menschen selbst zwei Dinge verantwortlich zu machen. Erstens die Weigerung, die arabische Schrift anzuerkennen, und die erzwungene Einführung der lateinischen (christlichen) Schrift für die Muslime; und zweitens die Erziehung der Jungen im Rahmen eines »fortschrittlichen« Erziehungssystems. Das Ergebnis ist nun, zweihundert Jahre später, das beinahe vollständige Fehlen von im muslimischen Sinne gebildeten Menschen innerhalb der Gemeinschaft der Muslime. Schlimmer noch, es ist heute eine ehrfürchtig bestaunte Überzeugung, daß die einzige Hoffnung für den Islam die Einrichtung von etwas ist, das man eine "islamische Erziehung" nennt, was aber tatsächlich nichts anderes ist, als eine klägliche Nachäffung des bestehenden Kafir-Systems, dem man unter dem Namen der «religiösen Studien« eine kastrierte Lesart des Islam aufgepfropft hat. Die Kafirun und christlichen Intellektuellen nehmen denn auch das Ergebnis entzückt zur Kenntnis so ist der Muslim für sie akzeptabel. Endlich ist ihr Muslim nun nicht mehr Iänger "zurückgeblieben" oder "statisch", "fatalistisch" oder "unterentwickelt" oder "fanatisch" er ist ein dynamischer, progressiver, positivistischer Psychopath.
(7n) "

Wobei der Begriff "Wissenschaft" als Wahrheits- oder Wertattribut eben bereits einen Denkfehler enthält, den auch Prauss, und zwar mit der gleichen Metapher als eine quasi versteckte Religiösität oder Abergläubigkeit attakiert, den aber Abd al Qadir as-Sufi dann für seine eigene "Wissenschaft des Traumes" praktisch in der gleichen Funktion eines Gültigkeitsattributes für sich einspannt, wenn er seine an-und für-sich richtigen Überlegungen am Schluß mit den Worten 
"Der Anfang und die Wiederbelebung der Weisheitswissenschaften des Islam müssen · · · · · "
und zwar durch den Gebrauch des gleichen Begriffs "Wissenschaft" besondere Gültigkeit verleihen will. 
Während Prauss den fast 3000 Jahre alten Denkfehler bezüglich Accidenz und Substanz selbst entlarft, untersucht Schwering mehr das Versteck, in dem ein solcher sich verbirgt, das er in dem Verhältnis von Symbol und Bedeutung vermutet. 
Schwering:»Während Teile der postmodernen Theoriebildung den Defekt, also die Separation des Subjektes von seiner inneren und äußeren Wahrheit einseitig gewichtet skandieren, · · · · · 
Die "Stärke" oder "Spielregel" von Pop- Praxis beruht also auf einem "Mißverständnis". welches die Absorption eines unerwünschten Nichtsinns, also die Außer-Kraft- Setzung der mit ihm verbundenen permanenten Inkonsequenzen, problematischen Synchronismen und Kontingenzen zur Folge hat. So schien dieser konstitutive Irrtum oder 'Trick" Jugendkultur - trotz extremer Heterogenität innerhalb ihres Universums - tatsächlich gegen zersetzende Arbitrarität weitgehend immun machen zu können.«
Es ist nicht ganz klar, wie grundsätzlich Schwering ein problematisches Zusammenfallen von Symbol und Bedeutung bzw. die Aufhebung des Unterschieds von beidem meint, ob als andeutender, üblicher Sprachgebrauch, ob er im Symbol, im Wort, im Pathos oder Stil - wie DADA - ein unzulässiges bzw. nicht mehr tragfähiges Orientierungsmittel sieht, so wie vergleichsweise Talar, Orden oder Uniform, was sich heute jeder beliebig kaufen und beliebig anlegen kann, nicht mehr (oder seit eh nicht) die ursprüngliche Legitimation bedeutet, oder ob er, was er als Trick oder produktives Mißverständnis bezeichnet, einzusehen empfiehlt, daß solche Machbarkeit von Symbolen als Erkennungszeichen auch von den bösen anderen benutzt werden kann, wie Ohrringe, Kleidung oder Sprüche. Er unterscheidet jedenfalls die grundsätzlichere Diskussion innerhalb der "Fachwelt" und der gängigen Praxis in der POP-Kultur als mehr strategische Sozialisation.
Schwering setzt praktisch voraus, daß die Nicht-Faschisten mit ihren Symbolen schon das Richtige meinen. Erschrocken könnte man sein, daß Schwering keine Parallele zur gleichsam künstlich eingeführten Symbolpraxis der historischen Nazis sieht, die ja durchaus ebenfalls einen "künstlichen Determinismus" strategisch einsetzten: Das Hakenkreuz als Symbol für die "wissenschaftlich fundierte" Bedeutung darwinistischer Weltanschauung, daß der Sieger und Überlebende recht hat, auserwählt ist, wodurch sich Genozid, eugenische Gesundheits- und Rassenpolitik, Völkermord, Rassismus und Krieg mit der entsprechenden Sozialisationsmaxime auch nach innen, gegen jede "arbitrarische", d.h. moralische Zersetzung durch gegenseitige Gesinnungskontrolle rechtfertigten.
Dem Gültigkeits- und Wahrheitsanspruch der künstlich eingeführten Nazisymbole, des Sprachstils, der Parolen, des Pathos entsprach die Gültigkeits- und Wahrheitserwartung. 
Während DADA gegen Gültigkeits- und Wahrheitsanspruch wie Erwartung bezüglich aller Ismen auftrat, legitimiert sich solches bei Schwering, wenn auch nicht ausdrücklich aufgeführt, quasi augenzwinkernd mit oder durch die "guten" Ziele und zwar zuerst ganz einfach gegen alles, was den Nazis "heilig" war: Staat, Familie, Volkstum, Heinovolkslieder, Militär, usw. als das Böse und für alles Gute, was "natürlich" ist wie saubere Luft, saubere Umwelt, unkontrollierte Sex- und Religionsausübung, (wenn nicht gerade ehelich oder christlich) u.s.w. .
Der Unterschied von Kunst und Sprache zeigt sich, daß man ein mißlungenes Bild in den Keller stellen oder übermalen kann, einen Weltkrieg oder ein fundamentalistisches Attentat, wie eine Brandlegung auf ein Asylheim, eben nicht. 
Ganz eindeutig also sind die Symbole und ihre Bedeutung, sind Ziele, Weltanschauung, Sprüche, Stil usw. gundsätzlich andere als auf der faschistischen Gegenseite, nur die Funktion von Wahrheits- oder Gültigkeitsanspruch zur Wahrheits- und Gültigkeitserwartung sind gleich.
Ob Schwering genau dieses meint, wird nicht deutlich, wenn er postuliert, daß man in Struktur oder Ablauf der Szene das eine darf oder sogar soll, das andere jedoch nicht. Er bestreitet jedoch zurecht, daß mit solcher Abhängigkeit von Anspruch und Erwartung (mehr oder weniger) offizieller Symbole oder Sprüche oder Formen usw Identitätsverlust einhergehe, es sei denn, man definierte den Menschen mit seiner Identität als den Erleuchteten, der in Besitz der Wahrheit ist ohne undurchdachte Gewohnheit, ohne Irrtum und Lüge. Daß jedoch darin, nämlich in solcher Abhängigkeit als Vertrauensseligkeit, eine Gefahr besteht, sich mit allen zu irren und betrogen zu werden, liegt auf der Hand.
Wie sich davon die private Rede unterscheidet, und wie diese Correlation in der Kunst besteht, bleibt zu untersuchen.
Mail-Art ist zuerst ja eine private Zusendung.
Unabhängig also davon, ob Inhalt und Ziele gut oder böse, falsch oder richtig sind, gibt es also die Problematik, und zwar als einen Unterschied, in richtiger oder falscher Correlation von Wahrheits- bzw. Gültigkeitserwartung (vom Redner her) und Wahrheits- bzw. Gültigkeitsvertrauen (vom Hörer her), einer Correlation, die an sich unvermeidlich und für das Funktionieren von Sprache überhaupt notwendig ist, - worauf ich noch komme - ; es ist die Problematik, die Schwering und die von ihm widerlegten Theoretiker vermutlich meinen, (wenn Funktion von Symbolen einerseits und Bedeutung von Symbolen andererseits in der Szene nicht mehr als zwei unterschiedliche Elemente gesehen werden), die eben darin bestehen kann, daß Vertrauen als Vertrauensseligkeit zur Erwartung bezüglich der in Symbol, Code, Spruch oder Stil inhärenten zusätzlichen Formung als Pathos nicht prakmatisch und bewußt oder vernünftig reflektiert besteht, sondern als quasi automatische Abhängigkeit, Hörigkeit, Indoktriniertheit oder Indoktrinierbarkeit dann auch blind macht für Gut und Böse, Falsch und Richtig. 
In dem hierbei oft mehr konstatierenden oder fast poetisch-visionären als analytischen Essay von Schwering wird nicht ganz deutlich, ob er genau dies oder auch dieses meint, wenn er von einem destruktiven Mehr-Genießen spricht, denn ein Abhängigkeitsverhältnis auch von Wahrheits- bzw. Gültigkeitserwartung und Vertrauen läßt sich durchaus vergleichen und auch in Verbindung bringen mit dem, was wir als Bedürfnis und Bedürfnisbefriedigung sowohl beim individuellen Bedürfnis und seiner Befriedigung wie Hunger, Durst als Lust und ihrer Befriedigung, wie auch im sozialen Kontext bei der Befriedigung von Bedürfnis nach Gemeinsamkeit, Freundschaft oder sexueller Partnerschaft kennen. Und es ist nicht gerechtfertigt, solches einfach als Opportunismus zu verfemen und damit als einfaches Vergehen zu simplifizieren.
Denn sowohl die reflektierte aber weitgehend auch unreflektierte Correlation von Erwartung und Vertrauen gibt es auch in der privaten Rede und als Abhängigkeit, - und zwar durchaus als eine Art von Hörigkeit - in der Familie, und ist, wie man vermutet , sogar die Voraussetzung für die normale Sprach- und Intelligenzentwicklung eines Kindes, gleichgültig ob Bauer oder akademischer Adel. Man könnte sagen, daß Sprache indoktriniert wird.
Und noch privater besteht dann solche Correlation auch zur eigenen Erkenntnis, deren Problematik erst Prauss thematisiert und erkennbar macht.
Von der modernen Kunst, seit Paul Césanne würde ich sagen, wird genau diese Correlation zwar nicht bekämpft oder abgelehnt oder verfemt aber als eben als nicht schicksalhaft, nicht determiniert, nicht notwendig oder selbstverständlich oder der Urteilsverantwortung enthoben demonstriert. Die Künstler thematisierten diesen Aspekt leider nicht aus soziologischer, psychologischer oder philosophischer Einsicht, sondern aus der praktischen Erfahrung heraus, daß z.B. der Eindruck einer Raumtiefe auf der flächigen Leinwand nur durch perspektivische Tricks, durch bewußte, erlernbare und anwendbare Methoden zu erreichen ist und derart eine bewußte Formung darstellt, wie auch der Redner lernen kann, durch rhetorische Tricks - sei es bei einer politischen Proklamation, sei es beim Tonfall eines Puppentheaters oder im Schauspiel die auch vom Hörer gewollte Glaubwürdigkeit als sog. Spannung herzustellen. Und DADA besagt nichts anderes, nämlich daß, so wie beim Puppentheater gewollt, das Machbare auch als Weltkriege im Prinzip nichts anderes ist, von gleicher Spannung, - wie auch immer logisch falsch oder richtig gerechtfertigt.
Und die allgemeine Vorstellung, eine solche Correlation aufbrechen zu können, war im 2. Weltkrieg, daß man entweder den Sprechenden, also die Ursache von Wahrheits- bzw. Gültigkeitserwartung, nur töten könnte, oder aber die Hörenden oder Hörigen als die Ursache der Wahrheits- oder Gültigkeitserwartung. Ich denke, daß es schlicht mangelnde Einsicht der Außenstehenden und auch der Opfer in solche Zusammenhänge war, die es unmöglich machte, sowohl die Menschen wie Hitler und seine Mannschaft wie auch seine Anhänger eines Besseren zu informieren. Ich wüßte auch heute noch niemanden, der für eine solche Beredung oder eine entsprechende Schrift in der Lage wäre, die den Automatismus unterbrechen könnte. Die Zeit ist offensichtlich noch nicht soweit.
Und ohne Zweifel ist die obige Analyse als Vereinfachung und Reflexionshilfe gedacht, die genauer besehen viele Fragen offen läßt. Ich benutze dabei ja das Bild sich überlagernder Modulationen. 
1. Eine Grundsubstanz seien dabei die Laute, die ein Mensch von sich geben kann. Natürlich sind auch das bereits Formen von Schallwellen.
2. Die nächste Form solcher Form wäre die Sprache selbst mit allen Vokabeln und grammatischen Regeln.
3. Die nächste Überform wäre die Aussage.
4. Die nächste Überform wäre der persönliche Sprachstil.
5. Die nächste Überform wäre die persönliche Rede oder die offiziöse Proklamation.
6. Die nächstehier angeführte Überform wäre dann die Wahrheits- oder Gültigkeitserwartung.
7. Schließlich käme mit der Correlation der Einfluß des Gläubigen und Hörenden auf den Sprechenden.
8. Desweiteren der Spruch,
9. der Reim,
10. das Lied,
11. Befehl, Frage, Antwort.
12. In der Mail-Art besonders, wie aber überhaupt in jeder sprachlichen Äußerung sehe ich zudem ein Existenzsignal, und nicht nur bei dem Kleinkind.
Wie jede Vereinfachung, ist diese in solcher üblichen Beschreibungsweise nicht unproblematisch, weil geradezu irreführend, wo man hierbei mehr als eine Reflexionshilfe erwartet. Wenn man nämlich sagt, daß Kitsch Gefühl nach Vorbild ist, daß das Pathos der Nazis aufgesetz, unecht, künstlich und ein lächerliches Machwerk war, meint und bezeichnet man zwar durchaus das Richtige, ohne aber, recht besehen, analytisch etwas erklärt zu haben. Und auch, wenn Schwering von innerer und äußerer Wahrheit spricht, sind dieses Redeweisen von eigentlicher Sprachlosigkeit gegenüber den hochkomplexen Vorgängen und Zusammenhängen, die wir dann als eigentliche oder uneigentliche Identität bezeichnen; und zurecht widerlegt Schwering die Vorstellung, als könnten Verkleidungen, falsche oder übernommene Gefühle und Ansichten schon Identitätswechsel oder -verlust bedeuten. Die Vereinfachung vom Uroboros jedoch weiter extrapoliert, hieße, daß wir es bei allen Formen und Überformungen der Sprache bis zu den Formen der Frequenz jener Schallwellen oder meinetwegen auch noch der Gehirnwellen letztlich nur noch mit Eigenschaften, d.h. mit Erkenntnissen zu tun haben, wobei dann erschreckender Weise dasjenige, das diese Eigenschaft oder die entsprechende Form nun hat, zugleich auch das Formende ist. Wovon hier praktisch die Rede ist, ist Sprache als Verhalten und Handlung, wobei es angesichts dieser komplexen Problematik gerade heute unvermeidlich ist, Sprache auf die menschliche Erkenntnis zurückzuführen, wobei der Begriff, den Prauss als Systemteil oder als Element einer Erkenntnis entwickelt, klar zu unterscheiden ist von dem angewandten Begriff im aristotelischen Sinne.
Der Vergleich mit einer Frequenzmodulation läßt außer acht, daß ja auch das jeweils Geformte oder Überformte als die Substanz immer bereits Erkenntnis ist, sei es nun Farbe oder Leinwand, sei es, wie in meiner Analogie, die jeweils niedere Modulation, wie ja auch praktisch erst recht die Frequenz selbst als Zeit-Raum-Diagramm.
Man kann unser Problem der rätselhaften Fehlleistungen des Menschen natürlich auch in anderer Weise vereinfachen, indem man an konkreten Beispielen untersucht, in welcher Art und unter welchen Umständen bestimmte Argumente -gleichgültig welcher Art auch immer - dann aber mit irrisierender, quasi hypnotischer Kaft das Vermögen zu einer kritischen Reflexion beim Menschen außer Kraft setzen. Man könnte dann solche Argumente wie auch solche Situation mit Warnschildern markieren wie etwa: "Vorsicht, jetzt kommen große Sprüche!" oder "Vorsicht vor rhetorischen Knüppeln". - sicher gibt es dann noch andere Warnzeichen. 
 
Zum Thema der "Postmodernen" habe ich als aktuelles Beispiel die folgenden Sprüche abgeschrieben, die natürlich nicht alle meine Meinung wiedergeben, die aber in Art und Intention mit der islamischen Aussage und dem Aufsatz von Schwering in den Hauptpunkten korrelieren: 

 

 
Lieber geil als Cruise-Missile.
Nepal statt Napalm!
Wahn und Wissen gegen Wehr und Waffen!
Petting statt Pershing!
Der Enkel und sein Opa wollen Frieden in Europa.
Lieber soziales Klimbim als atomares Bumbum.
Spaltet Holz und keine Atome!
Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!
Legal - illegal - scheißegal!
Wir lassen uns nicht einmachen, kleinmachen, gleichma-
chen!
Ein kluges Wort und schon ist man Kommunist.
Immer heiter - der Häuserkampf geht weiter!
Wie der Faschismus - wieder Faschismus - wider Fa-
schismus!
Auf die Dauer hilft nur Frauenpower!
Breit sein, frei sein, Terror muß dabei sein!
Instandbesetzen - statt kaputt besitzen!
Lieber alternativ als passiv.
Haut die Bullen platt wie Stullen!
Ich bin gegen alles!
Ich bin dagegen!
Wir sind die Null-Bock-Fraktion!
Seid realistisch - fordert alles!
Wir wollen alles - jetzt!
Macht kaputt, was Euch kaputt macht!
Keine Macht für niemand!
Das Chaos sei willkommen - die Ordnung hat versagt.
Besser FKK als FDP.
Es gibt viel zu packen - tun wir's ihnen an.
Lieber kopulieren als koalieren!
Mollis statt Müsli!
Quarkrahm statt Startbahn!
Radfahrer aller Länder. vereinigt Euch. Ihr habt nichts zu
verlieren als Eure Ketten.
Sägt die Bonzen ab - laßt die Bäume stehen.
Seid furchtbar und wehret Euch!
Seid unrealistisch - verlangt was Ihr wollt!
Sprengt Euren Rasen - und alles andere auch in die Luft.
Was lange gärt wird endlich Wut.
Anton statt Beton.
Haut den Bossen auf die Flossen.
Randale!
Anarchie statt Lethargie!
Anarchie auch für Sie!
Anarchie ist machbar, Herr Nachbar!
Mit Anarchie und LSD bekämpfen wir die BRD.
Alle Macht der Phantasie!
Überall, wo wir sind, herrscht Chaos - aber wir können nicht
überall sein.
Genug ist nicht genug - wir wollen alles jetzt!
Kein Bock auf nix!
Null Bock!
Wir sind die Null-Bock-Fraktion.
Ohne Rock kein Bock!
Wahnsinn, das ganze Leben ist Wahnsinn.
Jugend 1983: Das Produkt des deutschen Wahnsinns!
No future!
No hope, no dope, no future!
Wie es ist, ist es Mist!
Der ganz normale Wahnsinn.
Du hast keine Chance, darum nutze sie!
Zukunft wegen Mangel an Beteiligung abgesagt.
Ratschläge sind auch Schläge.
 
 
Einstein ist tot, Newton ist tot- und mir ist auch schon ganz
schlecht.
Alle sind zufrieden - keiner ist glücklich.
Ich geh' kaputt - wer kommt mit!
Dreht Euch nicht um, der Frust geht um.
Man hat's nicht leicht - aber leicht hat's einen.
Das Leben geht weiter - aber ohne uns.
Zerstör, was Dich zerstört - zerstör Dich selbst!
Solange wir die Freiheit haben, zu träumen, träumen wir, die
Freiheit zu haben.
High nun - denn morgen können wir tot sein.
Hört auf zu weinen, das war erst der Anfang.
Es ist unwichtig, wo wir den Rest unserer Tage verbringen -
es sind nicht mehr viele.
Let's fetz!
Love is beautiful!
Wir gehen nach HolIywood die Sonne putzen.
Wir sind wir - und wir machen, worauf wir Bock haben!
Die Leute hier sind alle zubetoniert.
Wir sind die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer
gewarnt haben.
Wären wir alle Ratten und Schmeißfliegen, ließen wir den
Scheiß liegen.
Ramba-Zamba in der Pampa!
Ich bin sinnlos!
Es gibt noch viel zu tun - fangt schon mal an.
Die Weisheit jagt mich - doch ich bin schneller.
Es gibt viel zu tun - warten wir's ab.
Es gibt viel zu tun - warten wir's ab.
Wo wir sind, klappt nichts - doch wir können nicht überall sein.
Wir wissen nicht, was wir wollen - doch das mit ganzer Kraft.
Spontaneität muß wohlüberlegt sein.
Laßt uns doch die alten Fehler wieder begehen, Genossen!
Kommt, laßt uns alle anders sein als ich.
Ich bleib' meinem Motto treu - schwul, pervers und arbeitsscheu.
Ich mach' mir meine Karastrophen selber.
Fighting for peace is like fucking for virginity.
Take ist easy - but take it!
Lieber locker vom Hocker als hektisch über'n Ecktisch.
Am Morgen ein Joint. und der Tag ist dein Freund.
Lieber arm dran als Arm ab.
Lieber ein offenes Hemd als ein offenes Bein.
Besser heimlieh schlau als unheimlich doof.
Keine Panik auf der Titanic.
Morgenstund ist ungesund.
Trau keinem über 30!
Leben - jetzt!
Live fast - die young!
High sein, frei sein, Sonne muß dabei sein!
Frauen haben Männer so nötig wie Fische ein Fahrrad.
Frauen sind Männersache.
Lieber Sonne im Herzen als Eis am Stiel.
Nicht reden - werfen!
Lieber Oberursel statt unter Ursel.
Unordnung: wo nichts am rechten Platz ist - Ordnung: wo
am rechten Plarz nichts ist.
Lieber bekifft als High Society.
Auch die Linke braucht Pinke.
Freiheit für alle - weg mit der Schwerkraft!
Freiheit für Luis Trenker - nieder mit dem Watzmann!
Baut keine neuen Atomraketen, bevor die alten nicht verbraucht sind!
 
 
 
Brief an Birger, Teil 2, home, Anfang